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Miroslav Krleža (1893–1981), Autor der bedeutendsten Texte der kroatischen Literatur des 20. Jahrhunderts, Enzyklopädist, Begründer zahlreicher Kulturinitiativen. Im Jahr 1950 gründete er das Lexikografische Institut, das heute seinen Namen trägt.
Kultur

Literatur

Die kroatische Literatur des Mittelalters, einzigartig in ihrer Dreisprachigkeit (Latein, das Altkirchenslawische und die kroatische Volkssprache) und in ihrer Dreischriftlichkeit (lateinische, glagolitische und kyrillische Schrift), entwickelte sich im Zeitraum vom 8. bis zum 16. Jahrhundert und brachte dabei in Form von Gedichten, Dialogversen und Mysterienspielen wertvolle literarische Werke hervor, die meist auf liturgischen und religiösen Themen basierten. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts begann man neue poetische Normen anzunehmen; es wurden Themen, Formen und Gattungen entwickelt, die für das Literatursystem der Renaissance charakteristisch und mit den Entwicklungen in der italienischen Literatur einhergingen. Die Grundlage dafür bildeten die literarischen Schöpfungen der kroatischen Latinisten, mit denen die Epoche des Humanismus anbrach. Zu den herausragenden Persönlichkeiten des Humanismus zählen die Dichter Ilija Crijević (Aelius Lampridius Cervinus) und Jan Panonac (Jannus Pannonius), ein hervorragender Kenner der sprachlichen und literarischen Tradition.

In den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts war die kroatische Literatur den Strömungen der europäischen Renaissance voll angeglichen, vor allem in Dalmatien, wo sich mehrere kreative Kreise gebildet hatten: in Split (Marko Marulić), Šibenik (George Hafner), Dubrovnik (Šiško Menčetić, Džore Držić, Mavro Vetranović, Nikola Nalješković, Marin Držić, Dinko Ranjina, Dominko Zlatarić), Hvar (Hanibal Lucić, Petar Hektorović, Mikša Pelegrinović, Martin Benetović) und Zadar (Petar Zoranić, Barne Karnarutić). Ihr Begründer war Marko Marulić, der zahlreiche mittelalterliche Themen übernahm, sie aber in neuen Formen und unter dem Einfluss der laienhaften "modernen Andacht" (devotio moderna) bearbeitete und auf diese Weise Literaturwerke schuf (wie das moralische Traktat De institutione bene vivendi, die Epen Davidias und Judita), durch die er sich als ein herausragender Vertreter des europäischen christlichen Humanismus und der Renaissance-Epik hervortat. Neben der dominanten lyrischen, petrarkistischen Ausdrucksweise jener Zeit zeichnen sich u.a. die Werke wie Planine (Gebirge), der erste ursprünglich kroatische Roman von Petar Zoranić, Ribanje i ribarsko prigovaranje (Fischen und Fischergespräche), die in Form eines Briefes verfasste Fischerekloge von Petar Hektorović sowie das Dramenwerk von Marin Držić, vor allem seine Komödien Novela od Stanca (Der gefoppte Stanac), Dundo Maroje (Onkel Marojes Dukaten) und Skup (Der Geizige) aus.

Marko Marulić (1450–1524), der bedeutendste kroatische Schriftsteller des 15. und 16. Jahrhunderts; sein in lateinischer Sprache verfasstes moralisches Traktat De institutione bene vivendi per exempla sanctorum (Anleitung zu einem anständigen Leben am Beispiel der Heiligen)brachte ihm den weltweiten Ruhm und seine Judita, das erste in kroatischer Sprache verfasste Kunstepos der kroatischen Literatur, den Titel "Vater der kroatischen Literatur".
Marin Držić (1508–1567), der zentrale Dramatiker der Renaissance, dessen Opus sich vom Rande seiner Zeit durch die Kraft seiner ursprünglichen, unverfälschten künstlerischen Wahrheit zum kroatischen Literaturkanon emporhob.
Ivan Gundulić (1589–1638), der klassische Autor des kroatischen literarischen Barock und das größte dichterische Vorbild der älteren kroatischen Literatur.

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts neigte sich die Renaissance langsam ihrem Ende zu. Die protestantische Bewegung erfasste die kroatische Literatur nur am Rande; die Kroaten brachten jedoch einen der bedeutendsten Schriftsteller und Ideologen des Protestantismus hervor, Matija Vlačić Ilirik, dessen Werk Schlüssel zur Heiligen Schrift (Clavis Scripturae sacrae) das berühmteste biblische Lexikon seiner Zeit war. In der Barockliteratur des 17. Jahrhunderts und in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts war Dubrovnik nach wie vor das bedeutendste literarische Zentrum, sein größter Name war Ivan Gundulić (religiöses Poem Die Tränen des verlorenen Sohnes – Suze sina razmetnoga, Schäferspiel Dubravka und ritterliches Heldenepos Osman), aber es taten sich auch Ivan Bunić Vučić (Gedichtsammlung Müßiggänge –  Plandovanja), Junije Palmotić (Drama Pavlimir) und Ignjat Đurđević (religiöses Gedicht Seufzer der büßenden Magdalena – Uzdasi Mandaljene pokornice) hervor. Zu der kajkavischen Tradition gehören der Chronist Antun Vramec und der religiöse Autor Juraj Habdelić. Von der hohen literarischen Kultur im kontinentalen Kroatien zeugen auch die Werke von Petar Zrinski (Die Sirene des Adriatischen Meeres - Adrianskoga mora sirena, die Nachdichtung der Gedichte seines Bruders Nikola von Ungarn), Fran Krsto Frankapan (die lyrische Sammlung Das Gärtlein zum Zeitvertreib - Gartlic za čas kratiti) und Pavao Ritter Vitezović  (das Epos Die Trennung von Sziget - Odiljenje sigetsko).

Im aufklärerischen 18. Jahrhundert zeichneten sich mit ihren didaktischen Werken Filip Grabovac (Gedichts-/Prosa-Buch Auserlesene Texte des illyrischen bzw. kroatischen Volkes in seiner einheimischen Sprache - Cvit razgovora naroda i jezika iliričkoga aliti arvackoga),  Andrija Kačić Miošić (poetisch-prosaisches Werk Angenehmes Gespräch des slawischen Volkes –  Razgovor ugodni naroda slovinskoga) und Matija Antun Relković (Dichtung  Satyr oder der wilde Mensch – Satir iliti divlji čovik) aus. An der Wende vom 18. zum 19. Jh. wirkt in kajkavischen Gebieten der Komödienautor Tituš Brezovački (Matthias der studierte Schwarzkünstler - Matijaš Grabancijaš dijak, Diogenes - Diogeneš) und Mitte 19. Jh. der religiöse Autor Ignjat Kristijanović, ein leidenschaftlicher Befürworter des kajkavischen Dialekts als Literatursprache. Die von Ljudevit Gaj angeführte Bewegung der Kroatischen Nationalen Wiedergeburt, auch als Illyrische Bewegung bekannt, gab in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts heftige Impulse an das politische und kulturelle Leben des Landes. Für die kroatische, der europäischen Romantik zuzuordnende Literatur jener Zeit war die wichtigste Errungenschaft die Schaffung einer einheitlichen Standardsprache. Dadurch wurde die Kontinuität ihres literarischen Schaffens gewahrt. Angesichts der politischen Umstände war das grundlegende Merkmal der damaligen literarischen Produktion die nationale Ausprägung; ihre herausragenden Autoren waren Ivan Mažuranić (Epos Der Tod des Smail Aga Čengić  – Smrt Smail-age Čengića), Stanko Vraz (Gedichtsammlung Đulabije – Rosenäpfel) sowie Petar Preradović. Der Übergang von der Romantik zum Realismus kam am stärksten in den Werken von August Šenoa (Romane Aufruhr der Bauern – Seljačka buna, Das Gold des Goldschmieds – Zlatarovo zlato) zum Ausdruck, der das damalige Kulturleben in dem Maße beeinflusste, dass die Zeit von 1865 bis 1881 als das Zeitalter Šenoas bezeichnet wird.

Antun Gustav Matoš (1873–1914), der zentrale Vertreter der kroatischen Moderne; Als Prosaiker, Lyriker und Kritiker ist er der kanonische Autor des kroatischen Fin de Siècle.
Dubrovačka trilogija (dt. Die Ragusaner Trilogie) von Ivo Vojnović (1857–1929), das klassische Werk des kroatischen historischen Dramas und modernen Theaters.
Die im kajkavischen Dialekt verfasste Gedichtsammlung Balladen des Petrica Kerempuh – Balade Petrice Kerempuha über das menschliche Leiden, Not und Bedrohung ist ein Meisterwerk des Schriftstellers Miroslav Krleža und der kroatischen Literatur überhaupt.

Das Zeitalter des Realismus war für die vollständige Ausformung der kroatischen Literatur als Ganzes von wesentlicher Bedeutung, weil darin Schriftsteller und Themen aus allen kroatischen Regionen vertreten waren und die Kritik als literarische Gattung (Jakša Čedomil, Franjo Marković) gegründet wurde. Gleichsam war das "das goldene Zeitalter des Romans", seine repräsentativen Schriftsteller waren Ante Kovačić (In der Registratur – U registraturi), Ksaver Šandor Gjalski (In der Nacht – U  noći), Josip Kozarac (Totes Kapital – Mrtvi kapitali) und "der kroatische Balzac" Vjenceslav Novak, (Die letzten Stipančići – Posljednji Stipančići). Silvije Strahimir Kranjčević (Zucken – Trzaji) ist der bedeutendste Name unter den Dichtern des 19. Jahrhunderts und zugleich eine Brücke zur Dichtung der Moderne, einer stilistisch heterogenen Epoche um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert, die ihre grundlegenden ästhetischen Postulate und Impulse aus den mitteleuropäischen literarischen Milieus und der französischen Literatur schöpfte. Neben der Dichtung des Milan Begović (Das Buch Boccadoro – Knjiga Boccadoro; seine Prosawerke in der Zwischenkriegszeit sind repräsentativ für den Modernismus: der Roman Giga Barićeva), Antun Gustav Matoš und Vladimir Vidrić, erreichte die Mundartdichtung von Dragutin Domjanić, Fran Galović und Vladimir Nazor ebenfalls anthologische Tragweite.

In der 1914 in Zagreb veröffentlichten Gedichtsammlung Hrvatska mlada lirika (dt. Kroatische junge Lyrik) wurde unter anderen Schriftstellern auch Ivo Andrić (1892–1975) vorgestellt, der Nobelpreisträger für Literatur im Jahr 1961. Obwohl er später innerhalb der serbischen Literatur wirkte, spielte er hinsichtlich seiner literarischen Anfänge, der Thematik seiner Werke und wegen seines auf die kroatischen Prosaisten ausgeübten Einflusses eine äußerst wichtige Rolle auch für die kroatische Kultur.
Miroslav Krleža (1893–1981), Autor der bedeutendsten Texte der kroatischen Literatur des 20. Jahrhunderts, Begründer zahlreicher Kulturinitiativen, die darauf ausgerichtet waren, das kritische Bewusstsein der Gesellschaft zu schärfen. Dadurch wurde sein Opus einer der zentralen Bezugspunkte für die Entwicklung des modernen Kroatien.
Die ausgetrocknete Schlammgrube – Isušena kaljuža, der Roman von Janko Polić Kamov (1886–1910), erst ein halbes Jahrhundert nach seiner Entstehung (1957) gedruckt, war im europäischen Kontext ein früher Vertreter des Avantgarde-Romans des Bewusstseinsstroms und des psychoanalytischen Romans.

Die Moderne leistete in der kroatischen Literatur ebenso wertvolle dramatische Beiträge, vor allem durch die Werke von Ivo Vojnović (Die Ragusaner Trilogie – Dubrovačka trilogija) und Josip Kosor (Brand der Leidenschaften – Požar strasti). Die Prosa von Milutin Cihlar Nehajev übermittelt am besten die dekadente Geistigkeit des modernen kroatischen Intellektuellen (der Roman Flucht - Bijeg). Eine außergewöhnliche Erscheinung stellte Janko Polić Kamov dar, ein Avantgardist vor der Avantgarde, ein Innovator im Bereich der Thematik, der Ideen, der Sprache und des Stils, der in der darauffolgenden Jahrzehnten den Status einer Legende erwarb (die Gedichtsammlung Zerknülltes Papier - Ištipana hartija, der Roman Die ausgetrocknete Schlammgrube - Isušena kaljuža). Die Werke von Ivana Brlić-Mažuranić (Roman Clapitsch. Die wunderbare Reise eines Schusterjungen – Čudnovate zgode šegrta Hlapića und Märchensammlung Kroatische Märchen aus Urväterzeiten – Priče iz davnine) sind in über vierzig Sprachen übersetzt worden, und ihre Autorin wurde zweimal für den Nobelpreis für Literatur nominiert. Die Romane der Marija Jurić Zagorka (Die Hexe von Grič – Grička vještica) wurden ebenfalls in zahlreiche Sprachen übersetzt und spielten eine große Rolle bei der Wahrung bzw. Kultivierung der Kontinuität des kroatischen historischen Romans.

Der Modernismus, der in der kroatischen Literaturgeschichte im Grunde eine Bezeichnung für die Literatur nach der Moderne ist, wurde bereits in der Poesie und Prosa des Matoš, vor allem aber in seinen Essays angekündigt, wie auch in den Werken von Miroslav Krleža, Antun Branko Šimić, Tin Ujević und anderen Schriftstellern der 1920er Jahre. Der Modernismus als vorherrschende Strömung war in der Übergangszeit der 1950er zu den 1960er Jahren präsent, aber auch später, als die nach den jeweiligen Literaturzeitschriften genannten Autorengenerationen auf den Plan traten: die Krugovaši, um die Zeitschrift Krugovi (dt. Kreise) Versammelte, die Razlogovci, um die Zeitschrift Razlog (dt. Grund) versammelte Schriftsteller, die Borgesianer sowie die um die Zeitschrift OFF versammelten Offovci und andere Literatenkreise. Die zentrale Rolle im literarischen Leben nach dem Ersten Weltkrieg, die ihm nicht nur wegen seiner literarischen Tätigkeit, sondern auch als Folge seines vielseitigen Engagements in der Öffentlichkeit zukam, gebürgte dem Schriftsteller Miroslav Krleža, dem Autor dessen Opus in Bezug auf Thematik und Genres zu den vielfältigsten und in Bezug auf die Anzahl der verfassten Werke zu den umfangreichsten in der kroatischen Literatur überhaupt zählt (die kajkavische Gedichtsammlung Balladen des Petrica Kerempuh, Drama Die Glembays, Roman Die Rückkehr des Filip Latinovics Essays, Memoiren, Reiseberichte).

Tin Ujević (1891–1955), der Gipfel des kroatischen dichterischen Kanons; Sein Werk ist eine luzide Vereinigung der klassischen und der modernen Strebungen in kroatischer Poesie.
Ivana Brlić-Mažuranić (1874–1938), eine der beliebtesten Kinderbuchautorinnen; wegen ihrer erzählerischen Virtuosität wird sie "die kroatische Andersen" und wegen ihrer Fähigkeit, die fantastische Welt der Mythologie wiederzubeleben "die kroatische Tolkien" genannt.
Storia della pornografia, so lautet die italienische Übersetzung der Geschichte der Pornografie, eines der Romane, in denen Goran Tribuson (1948) nach der eigenen Identität sowie der seiner Generation sucht und zugleich die Mythologie der Pop-Kultur der 1960er Jahre rekonstruiert.

Krleža teilt die Spitzenposition des kroatischen modernistischen Kanons mit Tin Ujević, in dessen Opus sich das Beste der kroatischen und europäischen poetischen Tradition widerspiegelt (Die verbitterte Glocke – Ojađeno zvono). In gleichem Rang befindet sich A. B. Šimić (Metamorphosen – Preobraženja), dem die Popularisierung des freien Verses und die endgültige Integration der kroatischen Poesie in die europäischen literarischen Strömungen zu verdanken ist.  Die Beliebtheit des Dichters der Heimlichkeit und des Intimismus Dragutin Tadijanović bezeugen die zahlreichen Auflagen und Übersetzungen seiner Werke (Silberne Flöte – Srebrne svirale), während der Neoromantiker Dobriša Cesarić die breiteren Leserkreise durch seine ausgesprochen musikalischen Gedichte an sich zog, die den Eindruck von Spontaneität und Einfachheit erzeugen (Obstbaum nach dem Regem – Voćka poslije kiše). Zu dieser poetischen Generation gehören auch der Impressionist Gustav Krklec (Die Reise in den Himmel – Izlet u nebo) und Nikola Šop, ein Dichter der ursprünglichen Poetik von beträchtlicher phänomenologischer Komplexität (Jesus und mein Schatten – Isus i moja sjena). Die realistische Erzählung hingegen stellen die Novellen von Ivan Goran Kovačić (Die Tage des Zorns – Dani gnjeva) erfolgreich wieder her, und sein Gedicht Jama (Das Massengrab) sticht während der Kriegszeit durch die Universalität seiner Botschaft hervor. Ivo Andrić stammte aus dem bosnisch-katholischen Umfeld, arbeitete später jedoch im Rahmen der serbischen Literatur (die Romane Die Brücke über die Drina - Na Drini ćuprija, Die Chronik von Travnik - Travnička hronika). Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Prosa-Autoren, welche die Literatur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit ihren Werken kennzeichneten, vor allem Petar Šegedin (Die Trilogie Kinder Gottes – Trilogija Djeca božja, Die Einsamen - Osamljenici und Das schwarze Lächeln - Crni smiješak), Vladan Desnica (der Roman-Essay Die Frühlinge von Ivan Galeb – Proljeća Ivana Galeba) und insbesondere Ranko Marinković (die Sammlung von Erzählungen Hände - Ruke, der Roman Der Zyklop - Kiklop).

Die Teilnehmer des 59. P.E.N.-Weltkongresses in Dubrovnik während des Heimatkrieges 1993. Das Kroatische P.E.N. Zentrum wurde im Jahr 1927 gegründet. In Kroatien wirken zudem der Verband kroatischer Schriftsteller (DHK, 1900 gegründet) sowie der Kroatische Schriftstellerverband (HDP, 2002 gegründet).
Der Zyklop (Kiklop) von Ranko Marinković (1913‒2001), einer der besten Romane der neueren kroatischen Literatur und ein großartiges Werk des europäischen Spätmodernismus.

Nach dem Zweiten Weltkrieg tat sich eine Reihe von Autoren hervor, die mit ihrem Gesamtwerk die Literatur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts geprägt haben. Petar Šegedin war ein Vertreter der intellektualistischen, von der existentialistischen Poetik geprägten Prosa (RomanKinder Gottes – Djeca božja). Das Gesamtwerk des Ranko Marinković, eines repräsentativen Schriftstellers des kroatischen Modernismus, ist zwar nicht umfangreich, aber gemessen an der Qualität seiner Werke gebührt ihm der Platz an der Spitze der kroatischen Literatur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts (der Roman Der Zyklop, die Prosasammlung Hände – Ruke). Marijan Matković war einer der produktivsten kroatischen Dramatiker sowie ein konsequenter Nachfolger Krležas (Drama Zyklus Spiel um den Tod – Igra oko smrti) und Radovan Ivšić der prominenteste Vertreter des Surrealismus in der kroatischen Literatur (groteske Farce König Gordogan – Kralj Gordogan). Das umfangreiche dichterische Werk von Jure Kaštelan  (Der Hahn auf dem Dach - Pijetao na krovu) und Vesna Parum (Die Schwarze Olive - Crna maslina), der meist übersetzten kroatischen Dichterin, bildet eines der bedeutendsten Kapitel der zeitgenössischen kroatischen Poesie. Der Roman Mirisi, zlato i tamjan (dt. Düfte, Gold und Weihrauch) von Slobodan Novak wird regelmäßig als einer der besten Romane der kroatischen Literatur überhaupt, und vor allem als ein Beispiel der existenzialistischen Literatur, zitiert.

Angesichts veränderter politischer und ideologischer Gegebenheiten hatten einige Schriftsteller nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Heimat verlassen; ihre Arbeit setzten sie jedoch im Ausland fort (sog. Exil- auch Emigrantenliteratur, innerhalb der sich die Poesie von Vinko Nikolić, Viktor Vida und Boris Maruna besonders auszeichnet). Die um die Literaturzeitschrift Krugovi (dt. Kreise) in den 1950er Jahren versammelte Generation der Schriftsteller (Slobodan Novak, Slavko Mihalić, Ivan Slamnig, Antun Šoljan) setzte sich für die Freiheit des Schreibens und ästhetischen Pluralismus ein und widersetzte sich gleichzeitig der Poetik des sozialistischen Realismus. Die um die Literaturzeitschrift Razlog (dt. Grund) in den 1960er Jahren gruppierte Generation strebte eine intellektuelle und theoretisch untermauerte poetische Sprache sowie eine hermetische Ausdrucksweise an (Danijel Dragojević, Zvonimir Mrkonjić, Nikica Petrak, Tonči Petrasov Marović).

Der Begriff Jeans-Prosa des Literaturhistorikers und -theoretikers Aleksandar Flaker bezeichnet den zentralen Strom im prosaistischen Schaffen von den 1950er Jahren bis zum Anfang der 1970er Jahre, und hierzu gehören die Romane von Ivan Slamnig, Antun Šoljan, Alojz Majetić und Zvonimir Majdak.

Im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts war die kroatische Literatur gemäß den europäischen Tendenzen auch von einem Pluralismus poetischer Praktiken geprägt, die typologisch als Teil der postmodernen Ära angesehen werden. Von den Rezeptionsgeboten betroffen, war die Prosa größtenteils den Merkmalen der Populärliteratur untergeordnet, so dass sich insbesondere der Genre-Roman (der Fantasy- und Kriminalroman, die sogenannte Frauenschrift, die autobiografische Erzählung, die historiografische Metafiktion) entwickelte. Die zeitgenössische, postmoderne Sensibilität wird in Prosa gebracht, die die Merkmale der Poetik von Jorge Luis Borges (Goran Tribuson, Pavao Pavličić) und der sogenannten Jeans-Prosa (Alojz Majetić, Zvonimir Majdak) aufnimmt, sowie im neohistorischen Roman (Ivan Aralica, Nedjeljko Fabrio).

In den 1980er Jahren sammelte die Zeitschrift Quorum eine große Zahl jüngerer Autoren um sich (Damir Miloš, Delimir Rešicki, Branko Čegec, Anka Žagar) und förderte Intermedialität.

In den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts galt die Aufmerksamkeit des ausländischen Literaturpublikums in erster Linie den Exilschriftstellern, allen voran der Prosaistin und Essayistin Dubravka Ugrešić, für die, nachdem sie Kroatien verlassen hatte, das Exil zu einem ihrer zentralen literarischen Themen wurde (der Roman Ministerium des Schmerzens – Ministarstvo boli), sowie Slavenka Drakulić, deren Werke, durch einen hohen Grad des feministischen und politischen Engagements gekennzeichnet, über hundert Ausgaben weltweit erlebten (der Roman Als gäbe es mich nicht – Kao da me nema). Die Dramen von Slobodan Šnajder wurden hauptsächlich innerhalb des deutsprachigen Raumes aufgeführt (Der Trost der nördlichen Meere – Utjeha sjevernih mora). Einen internationalen Erfolg erzielten ebenfalls die Dramen des Ivo Brešan (Der Leibhaftige an der Philosophischen Fakultät – Nečastivi na filozofskom fakultetu) und Miro Gavran (Tschechow sagte Tolstoi Adieu – Čehov je Tolstoju rekao zbogom). In den neuesten Dramawerken (Mate Matišić, Ivana Sajko) sind die Multimedia, Anthropologie und Psychoanalyse bedeutend geworden. Unter den kroatischen Prosaisten, die zur Generation der 1990er Jahre gehören, zählt Miljenko Jergović zu den im Ausland am meisten angesehenen Autoren (Erzählungen Sarajevo Marlboro – Sarajevski Marlboro). Die Literaturszene der 2000er Jahre charakterisiert das Auftreten zahlreicher neuer Prosaisten, Dichter, Dramatiker, aber auch Schriftsteller, die, teilweise wegen der Krise im Verlagswesen, in den neuen Medien präsent sind.