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Kultur

Bildende Kunst

Auf dem Gebiet des heutigen kroatischen Staates gibt es berühmte erhaltene Spuren bereits aus vorhistorischen Zeiten (die Urmenschen-Fundstelle in Krapina, die Reste der Vučedol-Kultur aus dem 3. Jahrtausend v. Chr.), sowie die Fundstellen (Vis, Hvar, Osijek, Vinkovci, Sisak) und die Denkmäler der griechisch-römischen Zivilisation (die Arena und der Sergierbogen in Pula, 1.–2. Jh., der Diokletianpalast in Split, 4. Jh., die Siedlung von Salona in Solin, 2–7. Jh., die Eufrasius-Basilika in Poreč, 6. Jh.), gefolgt von der schöpferischen Kontinuität und Begabung der einheimischen Menschen, die das kroatische architektonische und künstlerische Erbe zu einer gleichwertigen Komponente des künstlerischen Schaffens der ganzen Welt machen.

Vorromanik (zweite Hälfte des 8. Jahrhunderts – Ende des 10. Jahrhunderts). Unter dem Einfluss der Spätantike, der westeuropäischen und byzantinischen Kulturkreise entstanden die vorromanischen kleinen Kirchen mit unterschiedlichen Grundrissen; zu den am weitesten verbreiteten Bautypen gehören die zentralstrukturierte Kirchenbauten mit Gewölben oder kleinen Kuppeln sowie kleine Längskirchen, wobei ebenfalls etliche große Kirchen (in Knin, Biograd na Moru und Solin) erbaut wurden, die in Zusammenhang mit den kroatischen Herrschern und anderen Großwürdenträgern gebracht werden. Als auf das liturgische Steinmöbel angebrachte Steinmetzdekoration zeichnet sich in der Zeit zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert die Flechtbandornamentik mit christlichen Symbolen aus, wobei an zahlreichen Altarschranken die Namen der kroatischen Herrscher (Višeslav, Trpimir, Branimir, Mutimir, Držislav) inskribiert sind. Die in den Gräbern vorgefundenen Waffen- und Schmuckgegenstände waren ursprünglich byzantinischer Herkunft, doch allmählich bekamen sie die Ausprägungen der Arbeit einheimischer Handwerkmeister.

Heilig-Kreuz-Kirche in Nin, Kirche mit dem kreuzförmigen Grundriss und einer Kuppel; sie gilt als die kleinste Kathedrale der Welt.
St. Donatus Kirche in Zadar, mit dem Glockenturm der Kathedrale der Heiligen Anastasia (kroat. sv. Stošija) im Hintergrund, vereinigt die karolingischen und byzantinischen Einflüsse. Die Kirche wurde auf den Fundamenten des altrömischen Forums erbaut; ihrer Größe nach (27 Meter) ist sie, nach der Aachener Rundkirche, die zweitgrößte vorromanische Rotunde in Europa.
Hl. Erlöserkirche an der Quelle der Cetina, das einschiffige Bauwerk mit einer dreiblättrigen Apsis; auf der westlichen Seite der Kirche befindet sich ein karolingisches Westwerk. Die Kirche hatte der Gespan Gastika erbauen lassen.
Glockenturm der St. Marienkirche in Zadar, das erste Baudenkmal der Spätromanik; erbaut wurde es im Jahr 1105 nach Bestellung des kroatisch-ungarischen Königs Koloman.
Eine der erhaltenen Steinplatten von der Altarschranke aus der Kirche sv. Nediljica (dt. Hl. Dominikus) in Zadar, mit der Darstellung eines narrativen Zyklus biblischer Szenen.
St. Martin in der Ortschaft Sveti Lovreč in Istrien ist eine dreischiffige Basilika mit einem tiefräumigen Chor und drei mit flachen Nischen dekorierten Apsiden.

Romanik (11. Jahrhundert – Mitte des 13. Jahrhunderts). Die romanischen regionalen Varianten kamen nicht nur in den unterschiedlichen Entwicklungsstadien einzelner Gebiete zum Ausdruck (es wurden intensiv Stadtmauern und Befestigungsanlagen renoviert oder errichtet sowie Kirchen, Stadtlogen und Paläste erbaut, vor allem in Dalmatien und Istrien, etwas seltener in den nördlichen Regionen), sondern auch in der Vielfalt der vorherrschenden, aus dem Ausland ( Lombardei, Apulien, Venedig, Byzanz) stammenden Einflüsse oder aber in einem stärkeren, lokalbezogenen (antiken und vorromanischen) Erbe der Antike und der Vorromanik. Ab der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts erschien in der Architektur der Typ der dreischiffigen romanischen Basilika mit Apsiden, dabei wurden fast alle frühchristlichen Kathedralen (in Krk, Rab, Zadar und Dubrovnik) und Klosterkirchen (wie 1175 die Kirche sv. Krševan in Zadar; dt. Kirche des Hl. Chrysogonus) umgebaut. Zu den monumentalsten Leistungen der romanischen Architektur gehören die Glockentürme. Die frühromanische Bildhauerkunst des 11. Jahrhunderts führte (in ihren Darstellungen) wieder die menschliche Gestalt ein (die Figur eines kroatischen Herrschers aus dem Baptisterium in Split; die Figuren auf den Tafeln der Altarschranke in der Kirche sv. Nediljica in Zadar), ab dem Anfang des 13. Jahrhundert entwickelte sich bei den Künstlern ein starkes Gefühl für Plastizität, wie dies am Beispiel der Holztürflügel der Kathedrale von Split, ein Werk von Andrija Buvina, sowie des prächtigen Portals des Meister Radovan an der Kathedrale von Trogir zum Ausdruck kommt. In der Kathedrale von Split (13. Jahrhundert) befinden sich die ältesten erhaltenen Exemplare hölzerner Chorbänke in der Welt. Die Wandmalerei ist nur  fragmentarisch erhalten geblieben (in Ston, Srima, Zadar, Peroj, Dubrovnik). Die in Kodizes dargestellten Miniaturbilder wurden in den Skriptorien Dalmatiens (in Osor, Zadar, Šibenik und Split) und in Zagreb geschaffen. Ein besonderer Platz innerhalb der romanischen Kunst gebührt dem Goldschmiedkunstgewerbe (u.a. Kreuze, Reliquiare, tragbare Altäre und Kruzifixe).

Portal der Kathedrale des Hl. Laurentius (kroatisch: sv. Lovre) in Trogir (zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert erbaut),  ein im Jahr 1240 geschaffenes Werk des Meisters Radovan.
Fresko mit der Darstellung des Herrschers-Spenders in der Kirche sv. Mihajlo (deutsch: St. Michael) in der Nähe von Ston, ausgeführt in der Manier der benediktinischen Malschule.
Blaž Jurjev Trogiranin (1395–1449), der bedeutendste Vertreter der dalmatinischen spätgotischen Malschule (Polyptychon, eine Sammlung sakraler Kunst in der Kirche sv. Ivan Krstitelj (deutsch: Hl. Johannes der Täufer) in Trogir.
Türflügel der Kathedrale von Split aus dem Jahr 1214, sie zählen zu den seltenen, immer noch erhaltenen Türflügeln aus jener Zeit und sind ein Meisterwerk des Andrija Buvina.
Kathedrale des Hl. Jakob in Šibenik. Dem zunächst als eine dreischiffige gotische Kirche begonnenen Kirchenbau fügte Juraj Dalmatinac ein Querschiff und die Kuppel oberhalb der Vierung hinzu, dazu noch drei halbkreisförmige Apsiden, ein Baptisterium und eine Sakristei. Unter den bemerkenswerten bildhauerischen Leistungen zeichnet sich dabei ein Fries mit 71 realistischen Porträts im Stil der Frührenaissance aus.
Die Malerei der Illuminationen (Buchmalerei) erreichte ein hohes Niveau im glagolitischen Missale des Herzogs Hrvoje Vukčić Hrvatinić, dem Werk eines einheimischen Handwerkmeisters (entstanden zwischen 1403 und 1404).

Gotik (13. Jahrhundert – Ende des 15. Jahrhunderts). Die Gotik war im Norden Kroatiens im 13. Jahrhundert erschienen, und ihre typischen und einfachen Elemente erhielten sich bis ins 16. Jahrhundert (die Kirche der Hl. Maria in Lepoglava, die St. Markus Kirche in Zagreb). Von der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts an wurden in Dalmatien Kirchen, Rathäuser, Klöster, Stadtlogen und Paläste nach dem Vorbild der venezianischen Gotik erbaut. Der bedeutendste Vertreter dieses gotisch-renaissancen Mischstils war der Baumeister und Bildhauer Juraj Dalmatinac (Anfang des 15. Jahrhunderts – 1473), der in Venedig ausgebildet worden war, wonach er in Italien (Ancona) und in den Städten Dalmatiens wirkte. Im Kontakt mit den aus dem Norden stammenden Kunstrichtungen erreichte die Malkunst in Istrien ihren Höhepunkt in den Fresken von Pazin, Butoniga und Beram (Vincent aus Kastav, die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts). Einen besonderen Ausdruck der volkstümlichen Kreativität stellen die Grabsteine – stećci -  aus dem 13.-16. Jh. (Cista Provo, Neretva-Tal, Konavle) dar.

Der italienische Goldschmied Francesco da Milano vollendete im Jahr 1380, gemeinsam mit seinen Mitarbeitern aus Zadar, den Reliquienschrein des heiligen Simeon (Bestellung der kroatisch-ungarischen Königin Elisabeth).
Veliki Tabor, feudale Burg in der Region Hrvatsko zagorje, wurde während des 15. und 16. Jahrhunderts erbaut. Das Schloss verfügt über vier breite halbkreisförmige Renaissancetürme, die sich durch zweistöckige Arkaden bzw. Säulengänge zum Innenhof öffnen.
Lucijan Vranjanin, zentraler Innenhof des herzoglichen Palastes von Urbino (1466–1472).
Julije Klović, Beweinung Christi (um 1552), Florenz, Uffizien.
Kapelle – Ruhestätte des Seligen Ivan Trogirski, der Höhepunkt des frührenaissancen Humanismus, entstanden in der Zeit zwischen 1468 und 1494.
Nikola Božidarević, Verkündigung (1513), aus der Sammlung des Dominikanerklosters in Dubrovnik.

Renaissance (Mitte des 15. Jahrhunderts – 16. Jahrhundert). Kroatien war das erste europäische Land, das die Einflüsse der italienischen Renaissance übernommen hatte. Der italienische Bildhauer und Baumeister Nikola Firentinac (Niccolò von Florenz) brachte den frührenaissancen Stil zu seiner voller Reife in der Kapelle des Seligen Ivan Trogirski in der Kathedrale von Trogir, die er in Zusammenarbeit mit Andrija Aleši ausführte/schuf. In dieser Kapelle befinden sich auch die Statuen des heiligen Johannes des Evangelisten und des hl. Thomas, die Skulpturen des Ivan Duknović, der vor allem in Italien (Sarkophag mit der Skulptur des Papstes Paulus II. aus dem Jahr 1473 befindet sich in der Krypta der Basilika St. Peter in Rom) und am Hof des Königs Matthias Korvin in Ungarn wirkte/tätig war. Während in der Republik Dubrovnik die aristokratischen Sommerresidenzen, in einer sogar im europäischen Vergleich einzigartigen, unverwechselbaren Bautypologie erbaut wurden, wurden im Nordwesten Kroatiens, von Čakovec bis Senj, zahlreiche Festungen zur Verteidigung gegen die Osmanen errichtet; darunter zeichnen sich die Schloss-Festung Veliki Tabor (1505) und die ideale Renaissancestadt-Festung Karlovac (1579) aus.

Die Malerei der Renaissance erreichte ihre Reife in den Werken von Nikola Božidarević Anfang des 16. Jahrhunderts. Zu jener Zeit wirkten viele kroatische Künstler in Italien, wo sie den Spitznamen Schiavoni trugen; zu den bekanntesten unter ihnen gehören die Maler Juraj Ćulinović, Andrija Medulić und Julije Klović, der bereits zu seinen Lebzeiten "Michelangelo der Miniatur" genannt wurde, ferner der Bildhauer Franjo Vranjanin (Francesco Laurana), Autor raffinierter Marmorbüsten sowie der Baumeister Lucijan Vranjanin (Luciano Laurana).

Franjo Vranjanin, Porträtbüste einer Hofdame  (1472–1474), New York, Frick Collection.
Abraham opfert Isaak (1715), ein Werk von Federiko Benković, aus der Strossmayer-Gemäldegalerie Alter Meister in Zagreb.
Anton Lerchinger, Himmelfahrt der seligen Jungfrau Maria, 1772. Die Freske ist auf dem Gewölbe der Kirche der Muttergottes von Jerusalem in Trški Vrh gemalt.
Befestigte Stadt Čakovec (16. Jahrhundert)
Einschiffige Wallfahrts- und Votivkirche der Muttergottes von Jerusalem in Trški Vrh bei Krapina.
Karlovac, ideale Stadt-Festung der Renaissance (1579)

Barock (17.–18. Jahrhundert). Der kroatische Barock fand seinen Ausdruck überwiegend in der Sakralarchitektur (Jesuitenkirche der Hl. Katharina in Zagreb, Kirche der Hl. Maria Schnee in Belec, Kirche der Hl. Muttergottes von Jerusalem in Trški Vrh, Kirche des Hl. Veit in Rijeka, Hl. Blasius in Dubrovnik) sowie in den öffentlichen Bauwerken (Adelspaläste Vojković-Oršić-Rauch in Zagreb und Patačić in Varaždin; Schlösser Gornja Bedekovčina, Daruvar und Eltz in Vukovar; Festung Tvrđa in Osijek und die Obere Stadt in Zagreb). Die illusionistischen Fresken und Stuckdekorationen sowie Altäre und Skulpturen waren hauptsächlich Werke ausländischer Meister: es taten sich insbesondere die Maler Ivan Krstitelj Ranger, Francesco Robba, Franc und Krištof Andrej Jelovšek hervor, sowie auch einige einheimische Künstler (Tripo Kokolja). Federiko Benković wirkte in Italien, Österreich und Deutschland.

Die Holzkapelle der Hl. Barbara (18. Jahrhundert) in Velika Mlaka in der Nähe von Zagreb wurde von den örtlichen Handwerkern erbaut.
Das Innere der Kirche wurde von Volkskünstlern bemalt.
Maksimir in Zagreb, eine der ersten öffentlichen Parkanlagen in Europa, wurde 1794 für die Öffentlichkeit eröffnet. Als Natur- und Kulturdenkmal ist Maksimir auf seiner gesamten Fläche von 316 Hektar geschützt.
St. Blasius, eine 1706 zu Ehren des Schutzpatrons von Dubrovnik errichtete Barockirche.
Vlaho Bukovac, Gundulićs Traum (1894)
Der Goldene Saal im Palast des Kroatischen Instituts für Geschichte in Zagreb, geschmückt mit vergoldeten Stukaturen und bemalt mit den Themen aus kroatischer Vergangenheit (19./20. Jh.); (links) Die Verlobung des Königs Zvonimir von Celestin Medović.

Vom Klassizismus bis zur Moderne (Ende des 18. Jahrhunderts – Ende des 19. Jahrhunderts). In der Zeit des Klassizismus kamen die Aufträge für den Bau der architektonischen Objekte hauptsächlich von den Adelsfamilien (die Schlösser Pejačević in Retfala, 1801, und Virovitica, 1804) sowie von den kirchlichen (Park Maksimir in Zagreb; Kirche der Hl. Theresia in Suhopolje, 1807–1816) und den militärischen Behörden. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts konnte das intimere und bescheidenere Biedermeier den Bedürfnissen der Bürgerschicht Rechnung tragen, wobei die dekorativen und Gebrauchsgegenstände entweder eingeführt oder in den kroatischen Glashütten, Steingut-Manufakturen und Möbelwerkstätten hergestellt wurden. Die Malerei des Biedermeier erschien in Kroatien in den 1830er Jahren, in erster Linie mit den ausländischen Wandermalern. Mit Vjekoslav Karas begann die Verselbstständigung seiner kroatischen Komponente. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dominieren historische Themen (Ferdo Quiquerez, Oton Iveković, Mato Celestin Medović), besonders vertreten im üppigen Goldenen Saal in der Oberen Stadt in Zagreb (Kroatisches Institut für Geschichte). In der Architektur werden repräsentative öffentliche Gebäude und Paläste in historischen Stilrichtungen gebaut (die neoromanische Kathedrale in Đakovo, 1866–82; die Gewerbeschule und das Museum für Kunst und Gewerbe in Zagreb, 1891; die Kroatischen Nationaltheater in Osijek, Varaždin, Rijeka und Zagreb; die Urbanisierung der Zagreber Innenstadt). Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann die Entwicklung der Tourismusarchitektur entlang der Kvarnerküste (Hotel Imperial in Opatija 1885) und in Dalmatien, sowie der industriellen Architektur (Papierfabrik Hartera, Rijeka). Die Wiener Secession äußerte sich in den repräsentativen Bauwerken in Zagreb, Osijek (die Palästenreihe an der Europaallee) und Split, in den frühen Skulpturen des Ivan Meštrović sowie in den Plakaten und Gegenständen der angewandten Kunst von Tomislav Krizman.

The Engagement of King Zvonimir, a painting (1920) by Celestin Medović in the Golden Hall at the Croatian Institute of History.
Bela Čikoš-Sesija, Walpurgisnacht (1898)
Menci Klement Crnčić, Der Ausblick von Bellavista (1902)
Emanuel Vidović, Angelus (1907)
Josip Račić, Vor dem Spiegel (1908)
Ljubo Babić, Rote Fahnen (um 1919)

Moderne, Postmoderne, zeitgenössische Kunst (20. und 21. Jahrhundert)

Architektur. Für die Ideen der Moderne, die schöpferische Freiheit und das Recht auf einen individuellen künstlerischen Ausdruck setzte sich Viktor Kovačić ein; den Funktionalismus vertraten Drago Ibler und Stjepan Planić, die führenden Architekten der Zagreber Architekturschule in der Zwischenkriegszeit, zu der noch z.B. Juraj Denzler, Mladen Kauzlarić, Juraj Neidhardt, Josip Pičman und Ivan Zemljak (Schule an Jordanovac, 1935)  gehören. In Split förderten zugleich Zlatibor Lukšić, Helen Baldasar, Emil Ciciliani, Josip Kodl (Hotel Ambasador, 1937) die Avantgardeideen.

Jugendstilgebäude in Zagreb (1906) von Vjekoslav Bastl.
Kroatisches Staatsarchiv in Zagreb (ehemalige National- und Universitätsbibliothek), ein Projekt von Rudolf  Lubynski, das vortrefflichste Beispiel der Jugendstilarchitektur (1910–1913).
Im Jugendstil erbautes Kino Urania in Osijek (1912) von Viktor Axmann.
Palast der Börse in Zagreb von Viktor Kovačić (der Bau begann im Jahr 1923 und wurde 1927 von Kovačićs Mitarbeiter Hugo Ehrlich vollendet).
Napredak-Genossenschaft in Zagreb (1936), von Stjepan Planić.
Das "Hölzerne Hochhaus" in Zagreb (1958) von Drago Ibler.

Im intensiven Nachkriegsbau schließt sich die kroatische Architektur dem sogenannten internationalen Stil an. In größeren Städten wurden große Stadtteile geplant erbaut (Novi Zagreb, Split II und III) und neben der Wohnarchitektur (die Gebäude von Drago Galić in der Vukovarska-Straße, Ivo Vitić in der Laginjina-Straße in Zagreb) wurde auch eine Reihe von repräsentativen öffentlichen Gebäuden gebaut, bei denen etliche Architekten ihre eigenen  Ausdrucksformen entwickelten, wie Vladimir Turina (das Maksimir-Stadion, 1946–62), Kazimir Ostrogović (das Rathaus Zagreb, 1956–58), Vjenceslav Richter (die jugoslawischen Ausstellungspavillons in Brüssel, 1958, und Mailand, 1964), Radovan Nikšić und Ninoslav Kučan (die heutige Offene Volksuniversität in Zagreb, mit hochästhetischem Interieur von Bernard Bernardi, 1961), Slavko Jelinek (der Wolkenkratzer Zagrepčanka, 1976). Mitte 1960er Jahre ging das Wachstum des Tourismus mit dem raschen Aufbau der Tourismusarchitektur einher, und zwar auf einem hohen Niveau im Sinne von Design und Integration in die Umwelt, besonders erkenntlich beim Hotelkomplex Solaris in der Nähe von Šibenik (1968) des Autoren Boris Magaš, welcher auch das Hajduk-Stadion in Split (1979) schuf.

Jugoslawischer Pavillon auf der EXPO-Ausstellung in Brüssel (1958) von Vjenceslav Richter.
Konzerthalle Vatroslav Lisinski in Zagreb (1960–1973) von Marijan Haberle, Minka Jurković und Tanja Zdvořak.
Museum der Vučedol-Kultur in Vukovar (2015) von Goran Rako.
Josip Seissel, Pafama (1922)
Edo Murtić, Highway (1952)
Miljenko Stančić, Der Maler Karas (1953)

Die postmodernistischen Bestrebungen sind in den Werken von Nikola Filipović, dem Team von Zvonimir Krznarić, Davor Mance und Marijan Hržić, dem Autor des Krematoriums, und dem neuen Gebäude der National- und Universitätsbibliothek in Zagreb zu sehen, welches in Zusammenarbeit mit Velimir Neidhardt, dem Mitautor des neuen Flughafens Zagreb (2017, mit Branko Kincl) entstand. Wertvolle Werke wurden von Dinko Kovačić in Split und Nikola Bašić in Zadar geschaffen, die sich besonders mit architektonischen und skulpturalen Interventionen im Raum befassten (Die Meeresorgel, 2005).

In der neuesten Zeit entsteht eine interessante Museumsarchitektur (Igor Franić, das Museum für die zeitgenössische Kunst in Zagreb, 2009; Goran Rako, das Museum der Vučedol-Kultur in Vukovar, 2015). Um die Jahrhundertwende ist eine Generation aufgewachsen, welche die Vielfalt des architektonischen Ausdrucks weiter fördert (Milan Šosterič, die Musikakademie in Zagreb, 2014); Das Team Idis Turato und Saša Randić sowie die Autoren, die sich um Architekturstudios wie "3LHD" (Saša Begović, Tanja Grozdanić Begović, Marko Dabrović, Silvije Novak) und "STUDIO UP" (Toma Plejić und Lea Pelivan) versammelt haben, erzielen Erfolge in verschiedenen Architekturbereichen, insbesondere im Tourismus und Sport, und sind neben den bereits international anerkannten Architekten Vinko Penezić, Krešimir Rogina und Hrvoje Njirić auch außerhalb Kroatiens ins Auge gefallen.

Ljubo Ivančić, Autoporträt mit Staffelei (1958)
Marino Tartaglia, Figur (1958)
Ivo Gattin, Aufgeschlitzte Fläche (1961)
Julije Knifer, Mäander in der Ecke (1961), Museum für zeitgenössische Kunst in Zagreb
Vlado Kristl, Variante I (1962)
Miroslav Šutej, Objekt I (1968)

Malerei. Die Ankunft des Pariser Schülers Vlaho Bukovac in Zagreb 1893 war ein entscheidender Wendepunkt in der kroatischen Malerei; sein offener Kolorismus wurde von mehreren jungen Künstlern (die Zagreber Bunte Schule) übernommen, die den malerischen Flügel der kroatischen Moderne bildeten, unter anderen Oton Iveković, der historische Themen mit impressionistischem Ansatz verband, Robert Auer i Bela Čikoš-Sesija, von der Secession inspiriert, Menci Klement Crnčić, der Begründer der modernen kroatischen Grafik, und Emanuel Vidović in Split, zunächst dem italienischen Divisionismus danach aber dem Expressionismus zugeneigt. Čikoš-Sesija und Crnčić gründeten 1903 eine Privatschule, die 1921 zur Akademie wurde (die heutige Kunstakademie in Zagreb). Im Gegensatz zu dieser Strebung nach »purer Malerei«, suchten die von der Secession inspirierten Künstler um die Medulić-Gruppe (gegründet 1908 in Split) und Bildhauer Ivan Meštrović, wie etwa Mirko Rački und Tomislav Krizman, in den Motiven aus Volkslegenden und Heldenmythen nach dem nationalen Kunstausdruck.

Kroatische Architekten und Künstler nehmen regelmäßig an der Biennale in Venedig, Documenta in Kassel und anderen prominenten internationalen kulturellen Ereignissen teil. Zu ihnen gehörte auch Vlaho Bukovac, der seine Werke schon 1897 zum ersten Mal an der Biennale in Venedig ausstellte.

 Josip Račić, Miroslav Kraljević, Vladimir Becić und Oskar Herman, die Angehörigen des sog. Münchner-Kreises, brachten von ihrem Studium die Neuheiten in die kroatische Malerei, und die Aussteller erhielten bei den Ausstellungen des Frühlingssalons (1916–28) den progressiven Entwicklungsfaden (von Cézannismus über Expressionismus und Neorealismus bis zum Neoklassizismus) aufrecht, zunächst vorwiegend seine Gründer Ljubo Babić und Zlatko Šulentić, danach die Prager Schüler, die Mitglieder der Vierergruppe(Vilko Gecan, Milivoj Uzelac und besonders Marino Tartaglia und Milan Steiner) mit ihren kubistischen und postkubistischen Neigungen. Der Architekt und Maler Josip Seissel (Pseudonym Jo Klek) malte im Jahr 1922 das erste abstrakte Gemälde, und einen eigenartigen Stil entwickelten Antun Motika, welcher die Farbe bis zu den äußersten Grenzen illuminierte, und Ignjat Job, welcher einen starken, gestenbezogenen, koloristischen Expressionismus entwickelte.  Die Mitglieder der linksorientierten Gruppe Zemlja (dt.: Erde, 1929–1935, Leo Junek, Marijan Detoni, Vilim Svečnjak) setzten sich für die sozial engagierte Thematik ein; ihr führender Ideologe war Krsto Hegedušić, ein Förderer der naiven Kunst, vor allem der Schule von Hlebine, die sich Mitte des 20. Jahrhunderts internationalen Ruf erwarb, darunter vornehmlich die Maler Ivan Generalić, Ivan Rabuzin und Ivan Lacković Croata.

Exat 51 in der Ausstellung des Museums für zeitgenössische Kunst in Zagreb
Ivan Generalić, Roter Stier (1972)
Ferdinand Kulmer, Struktur der Wiederholung 172 (1972)
Dimitrije Bašičević Mangelos, Le projet principal de la deuxième civilisation (1977/78)
Sanja Iveković, Vorher – nachher (1976)
Tomislav Gotovac, Performance Zagreb, I Love You! (1981)

Der sozialistische Realismus der Nachkriegszeit wurde bereits Ende der 1940er Jahre überwunden, und es gab eine Wiederverbindung mit den europäischen und amerikanischen Avantgarde-Strömungen (lyrische Abstraktion, informeller und abstrakter Expressionismus). Sie wurden zuerst von Edo Murtić und Ferdinand Kulmer gefolgt und von Ivo Gattin, Đuro Seder und Marijan Jevšovar erweitert und radikalisiert. Ein persönlich abstrakter Ausdruck wurde von Albert Kinert, Ordan Petlevski, Oton Gliha und dann Eugen Kokot und vielen anderen entwickelt.

Miljenko Stančić, Vasilije Josip Jordan, Nives Kavurić-Kurtović, Slavko Kopač und Josip Vaništa gehören zum Kreis der figurativen post-surrealistischen, fantastischen oder metaphysischen Malerei, während Ljubo Ivančić die expressionistische Figuration hervorragend mit informell verband. Die engagierte Version der Figuration wird von der Biafra-Gruppe (Zlatko Kauzlarić-Atač) in den 1970er Jahren gebracht, die expressive Version von Zlatko Keser, die fotorealistischen Tendenzen von Jadranka Fatur, während die Poetik des neuen Gemäldes (Nina Ivančić, Zvjezdana Fio, Željko Kipke) einen neuen Ansatz in die Malerei bringt. Zlatan Vrkljan, Zoltan Novak und viele andere haben ebenfalls zur postmodernistischen Vielfalt am Ende des 20. Jahrhunderts beigetragen. Kroatische Maler pflegen immer noch den figurativen Ausdruck, vom konzeptuellen Ansatz (Lovro Artuković) bis zur expressionistischen oder popartistischen Inspiration (Ivica Malčić, Robert Šimrak, Tomislav Buntak), welche häufig die zeitgenössische Realität und ihre kulturellen Codes widerspiegeln.

Mladen Stilinović, Ausbeutung der Toten (1984–89)
Edita Schubert, Trapezoid (1985)
Dalibor Martinis, Tavola calda (1987)
Vesna Pokas, Ohne Titel (2007)
Renata Poljak, Partenza (2016)
Ivan Meštrović, Kontemplation (1924)

Ab Anfang der 1950er Jahre wirkte auf der Grundlage von Bauhaus und dem Konstruktivismus auch die EXAT 51-Gruppe, die sich in Richtung geometrischer Abstraktion bewegte, insbesondere in den Werken der Malermeister Vlado Kristl und Ivan Picelj. Ihnen nah war Julije Knifer, der seinem ewigen Hauptmotiv - dem Mäander - treu blieb. Den Erfahrungen der Exat-Anhänger folgte die internationale Kunstbewegung einer neuen Tendenz, deren anthologische Ausstellungen Miroslav Šutej hervorhoben, welcher die Kunst der Op-Art entwickelte (wie auch Ante Kuduz) und mit den Grenzen zwischen Malerei, Grafik und Skulptur spielte. Dies ermutigte Künstler, sich der Ambient Art (Ljerka Šibenik, Edita Schubert) und der Erforschung des Malermediums im Rahmen des primären und analytischen Prozesses (Boris Demur, Dubravka Rakoci, Goran Petercol) zuzuwenden.

Die Mitglieder der protokonzeptuellen Gruppe Gorgona (Marijan Jevšovar, Julije Knifer, Đuro Seder, Josip Vaništa, Ivan Kožarić, Dimitrije Bašičević Mangelos) ebneten mit ihren unkonventionellen Kunstaktivitäten in den frühen 1960er Jahren, mit Performances und Forschungen von verschiedenen Medien, insbesondere Filmen, den Weg für die Generationen von Konzeptkünstlern und für Tomislav Gotovac, welche seit den späten 1960er Jahren mit nicht-traditionellen künstlerischen Verfahren und Materialien sowie mit neuen Medien experimentieren (Goran Trbuljak, Sanja Iveković, Dalibor Martinis, Vladimir Dodig Trokut, die 1970er Gruppe von sechs Autoren: Željko Jerman, Boris Demur, Mladen Stilinović, Sven Stilinović, Vlado Martek, Fedor Vučemilović). Die heutige zeitgenössische Kunst fördert weiterhin Experimente, Performances (Slaven Tolj, Siniša Labrović, Igor Grubić), Ambient Art (Mirjana Vodopija, Viktor Popović, Ivana Franke) und die transmedialen Ausdrucksformen (David Maljković, Damir Očko, Zlatko Kopljar), oft mit betont sozialem Engagement (Andrea Kulunčić, Renata Poljak).

Antun Augustinčić, Friedensdenkmal in New York (1954)
Aleksandar Srnec, Lumino-kinetische Objekte, Museum für zeitgenössische Kunst in Zagreb
Vojin Bakić, Denkmal an Ivan Goran Kovačić (1964)
Ivan Kožarić, Die gelandete Sonne (1971)
Dušan Džamonja, Skulptur Alp-II (1975)
Siniša Majkus, Embrio (2004)

Bildhauerei. Mit den realistischen Skulpturen von Ivan Rendić setzte die Entwicklung der modernen kroatischen Bildhauerkunst ein, sie entfaltete sich dann in den Werken des Robert Frangeš-Mihanović, Rudolf Valdec und Branislav Dešković, dem Animalisten impressionistischer Inspiration, bis hin zum großen Bildhauer Ivan Meštrović (1883–1962), dem Autor zahlreicher Skulpturen in Marmor, Bronze und Holz sowie architektonisch-skulpturaler Denkmäler, die heterogene Stilmerkmale aufweisen (von der Secession, über den Rodinismus, den antike-, gotik- und renaissancebezogenen Erfahrungen bis zu den von Bourdelle und Maillol vertretenen Auffassungen der skulpturalen Formen), und Frane Kršinić, welcher - inspiriert von der Klassik und der mediterranen Tradition - ein Vorbild für viele Generation war. Zur gleichen Zeit wirken auch Antun Augustinčić und Vanja Radauš  als die Bildhauer des psychologisch motivierten Realismus und der sozial orientierten Bestrebungen.

Die Träger eines neuen Geistes in der Zeit nach 1950 waren sowohl Kosta Angeli Radovani als auch die Bildhauer der abstrakten Ausdrucks, wie Vojin Bakić, Dušan Džamonja und Ivan Kožarić, der Autor eines umfangreichen und heterogenen Opus. Im Rahmen der internationalen Bewegung der neuen Tendenz und von den konstruktivistischen Ideen getrieben, schufen die ehemaligen Mitglieder der Gruppe EXAT 51 in den 1960er Jahren die ersten luminokinetischen Objekte (Aleksandar Srnec) und die sog. Systemplastik (Vjenceslav Richter). Die Künstler Ksenija Kantoci, Branko Ružić und Šime Vulas vollbrachten ihre meistens in Holz gestalteten Kunstwerke an der Grenze zwischen Abstraktion und Figuration. Die Neigung zu den Elementen der Pop-Art weisen die Werke von Vasko Lipovac, Zvonimir Lončarić und Marija Ujević-Galetović auf. In Anlehnung an die Werke von Radauš und Valerije Michieli schufen Anfang 1970er Jahre die Mitglieder der Biafra-Gruppe (Stjepan Gračan, Ratko Petrić, Miro Vuco) die radikale, expressive, sozial engagierte Skulptur. Die nächste den postmodernistischen Strömungen beitretende Generation entwickelte ihren Ausdruck in Anlehnung an die Tradition, in freien abstrakten Formen und ludischen Assoziationen (Peruško Bogdanić, Dalibor Stošić Matko Mijić). Die zeitgenössischen kroatischen Bildhauer bedienen sich einer breiten Auswahl von Medien und Materialien (Siniša Majkus). Mit ihren Objekten, Installationen und mit ihrem Ambiente vermitteln sie oft das moderne Leben und die Gesellschaft (Ines Krasić, Kristian Kožul, Ivan Fijolić, Alem Korkut).