Die Kroaten führten die glagolitische Typographie schon zu jener Zeit ein, als der Buchdruck in Europa seine allerersten Anfänge verzeichnen durfte, d.h. im 15. Jahrhundert, als fünf glagolitische Inkunabeln gedruckt wurden. Das Missale nach dem Gesetz des Römischen Hofes, in kroatischer Glagoliza und in der kroatischen altkirchenslawischen Sprache verfasst, wurde am 22. Februar 1483 gedruckt, nur 28 Jahre nach der Gutenberg-Bibel. Gleichzeitig ist dies das erste liturgische Buch für die Messfeier nach dem Römischen Ritus, das nicht in lateinischer Schrift gedruckt wurde. Die Perfektion bei der Gestaltung von Buchstaben und die Satz- und Druckschönheit heben das Werk zu einem absoluten Meisterwerk der Typografie hervor.

Kroatien in Europa durch die Jahrhunderte

Historische und kulturelle Beziehungen

In der frühen Kulturgeschichte traten die Kroaten als „ein Volk dreier Schriften“ auf. Neben der lateinischen Schrift mit ihren verschiedenen Versionen waren bei den Kroaten darüber hinaus zwei „slawische Schriften“ im Gebrauch, die Glagoliza und die Kyrilliza. Sowohl die Glagoliza als auch die Kyrilliza entstanden im 9. Jahrhundert und werden der aufklärerischen Tätigkeit zweier gebildeter „Saloniki-Brüder“, Kyrill (Konstantin) und Method, zugeschrieben. Die Brüder waren griechischer Abstammung, erlernten aber die Sprache ihrer slawischen Nachbarn, die damals in noch immer eng miteinander verwandten Varianten vom Südosten bis in den Norden Europas gesprochen wurde. Die beiden slawischen Schriften wurden auf kroatischem Territorium benutzt, zudem weisen beide eine spezifische kroatische Redaktion auf. Für die kroatische Redaktion der Kyrilliza werden unter anderem die Bezeichnungen Hrvatica, Arvatica sowie Bosančica u.a. gebraucht. Es wird angenommen, dass die in der Glagoliza verfassten Schriftdenkmäler etwas älter sind als die kyrillischen, doch gibt es von der Wissenschaft keine allgemein anerkannte Übereinstimmung zu der Frage, welche der beiden Schriften die ältere ist. Seit dem 16. Jahrhundert wurde in Kroatien zunächst die Kyrilliza immer stärker von der lateinischen Schrift verdrängt, während sich die Glagoliza in einzelnen Bereichen der Liturgie sogar bis zum 19. Jahrhundert im Gebrauch aufrechterhalten konnte, vor allem im nordadriatischen Küstengebiet.

Mit den drei Schriften vergleichbar ist die Lage Kroatiens: am Kreuzungspunkt zwischen Orient und Okzident, zwischen der slawischen, romanischen und germanischen Welt, an der Grenzlinie zwischen westlichem Christentum und östlichem Christentum, später auch an der Grenze zwischen Christentum und Islam und schließlich am Ausgangspunkt für die Austragung des Konflikts zwischen Demokratie und Kommunismus. In Bezug auf die Kultur war Kroatien stets dem Westen zugewandt, obgleich die politischen Wege oft andere, ja sogar entgegengesetzte Richtungen einschlugen. Mit der Erlangung der staatlichen Unabhängigkeit Kroatiens können all jene Trennlinien nunmehr Brücken für eine umfassendere Verständigung und Zusammenarbeit in Europa sein, in dem auch Kroatien sehr wohl eine aktive Rolle zu übernehmen vermag.

Die kulturellen Beziehungen Kroatiens und der Kroaten zu den anderen europäischen Völkern und Ländern schauen auf eine sehr lange Tradition zurück und wurden schon seit der Gründung der ersten kroatischen Fürstentümer gepflegt. Im Laufe der Entwicklung einzelner nationaler Kulturen haben sich diese Beziehungen vervielfacht und fügen sich in die heutige europäische und internationale Kultur ein, in besonderem Maße in die Globalisierungs- und Massenkultur. Im Nachfolgenden wird versucht, lediglich einige dieser kulturellen Beziehungen vorzustellen, vor allem diejenigen, die prägende Spuren hinterlassen haben,  wobei ein gewisser Vorrang den bevölkerungsreicheren europäischen Nationen und bedeutenden Kulturzentren der heutigen EU-Staaten gewährt worden ist.