Vlaho Bukovac, Gundulićs Traum (1894). Die Ankunft des Pariser Schülers Vlaho Bukovac (1855 – 1922) in Zagreb stellt einen entscheidenden Wendepunkt in der kroatischen Malerei dar; sein offener Kolorismus wurde von mehreren jungen Künstlern (die Zagreber Bunte Schule) übernommen, die den malerischen Flügel der kroatischen Moderne bildeten. Ihren Beitrag zur kroatischen Moderne leisteten auch andere Maler, wie Menci Klement Crnčić und Emanuel Vidović.

Kultur

Bildende Kunst

Die bereits aus den ältesten Stilepochen bis heute bewahrten Kunstwerke zeugen von der schöpferischen  Kontinuität und Begabung der einheimischen Menschen und machen somit das kroatische architektonische und künstlerische Erbe zu einer gleichwertigen Komponente des künstlerischen Schaffens in der ganzen Welt.

Vorromanik (zweite Hälfte des 8. Jahrhunderts – Ende des 10. Jahrhunderts). Unter dem Einfluss der Spätantike, der westeuropäischen und byzantinischen Kulturkreise entstanden die vorromanischen kleinen Kirchen mit unterschiedlichen Grundrissen; zu den am weitesten verbreiteten Bautypen gehören die zentralstrukturierte Kirchenbauten mit Gewölben oder kleinen Kuppeln sowie kleine Längskirchen, wobei ebenfalls etliche große Kirchen (in Knin, Biograd na Moru und Solin) erbaut wurden, die in Zusammenhang mit den kroatischen Herrschern und anderen Großwürdenträgern gebracht werden. Als auf das liturgische Steinmöbel angebrachte Steinmetzdekoration zeichnet sich in der Zeit zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert die Flechtbandornamentik mit christlichen Symbolen aus, wobei an zahlreichen Altarschranken die Namen der kroatischen Herrscher (Višeslav, Trpimir, Branimir, Mutimir, Držislav) inskribiert sind. Die in den Gräbern vorgefundenen Waffen- und Schmuckgegenstände waren ursprünglich byzantinischer Herkunft, doch allmählich bekamen sie die Ausprägungen der Arbeit einheimischer Handwerkmeister.

Heilig-Kreuz-Kirche in Nin, Kirche mit dem kreuzförmigen Grundriss und einer Kuppel; sie gilt als die kleinste Kathedrale der Welt.
St. Donatus Kirche in Zadar, mit dem Glockenturm der Kathedrale der Heiligen Anastasia (kroat. sv. Stošija) im Hintergrund, vereinigt die karolingischen und byzantinischen Einflüsse. Die Kirche wurde auf den Fundamenten des altrömischen Forums erbaut; ihrer Größe nach (27 Meter) ist sie, nach der Aaachener Rundkirche, die zweitgrößte vorromanische Rotunde in Europa.
Hl. Erlöserkirche an der Quelle der Cetina, das einschiffige Bauwerk mit einer dreiblättrigen Apsis; auf der westlichen Seite der Kirche befindet sich ein karolingisches Westwerk. Die Kirche hatte der Gespan Gastika erbauen lassen.
Glockenturm der St. Marienkirche in Zadar, das erste Baudenkmal der Spätromanik; erbaut wurde es im Jahr 1105 nach Bestellung des kroatisch-ungarischen Königs Koloman.
Eine der erhaltenen Steinplatten von der Altarschranke aus der Kirche sv. Nediljica (dt. Hl. Dominikus) in Zadar, mit der Darstellung eines narrativen Zyklus biblischer Szenen.
St. Martin in der Ortschaft Sveti Lovreč in Istrien ist eine dreischiffige Basilika mit einem tiefräumigen Chor und drei mit flachen Nischen dekorierten Apsiden.

Romanik (11. Jahrhundert – Mitte des 13. Jahrhunderts). Die romanischen regionalen Varianten kamen nicht nur in den unterschiedlichen Entwicklungsstadien einzelner Gebiete zum Ausdruck (es wurden intensiv Stadtmauern und Befestigungsanlagen renoviert oder errichtet sowie Kirchen, Stadtlogen und Paläste erbaut, vor allem in Dalmatien und Istrien, etwas seltener in den nördlichen Regionen), sondern auch in der Vielfalt der vorherrschenden, aus dem Ausland ( Lombardei, Apulien, Venedig, Byzanz) stammenden Einflüsse oder aber in einem stärkeren, lokalbezogenen (antiken und vorromanischen) Erbe der Antike und der Vorromanik. Ab der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts erschien in der Architektur der Typ der dreischiffigen romanischen Basilika mit Apsiden, dabei wurden fast alle frühchristlichen Kathedralen (in Krk, Rab, Zadar und Dubrovnik) und Klosterkirchen (wie 1175 die Kirche sv. Krševan in Zadar; dt. Kirche des Hl. Chrysogonus) umgebaut. Zu den monumentalsten Leistungen der romanischen Architektur gehören die Glockentürme. Die frühromanische Bildhauerkunst des 11. Jahrhunderts führte (in ihren Darstellungen) wieder die menschliche Gestalt ein (die Figur eines kroatischen Herrschers aus dem Baptisterium in Split; die Figuren auf den Tafeln der Altarschranke in der Kirche sv. Nediljica in Zadar), ab dem Anfang des 13. Jahrhundert entwickelte sich bei den Künstlern ein starkes Gefühl für Plastizität, wie dies am Beispiel der Holztürflügel der Kathedrale von Split sowie des prächtigen Portals des Meister Radovan an der Kathedrale von Trogir zum Ausdruck kommt. In der Kathedrale von Split (13. Jahrhundert) befinden sich die ältesten erhaltenen Exemplare hölzerner Chorbänke in der Welt. Die Wandmalerei ist nur  fragmentarisch erhalten geblieben (in Ston, Srima, Zadar, Peroj, Dubrovnik). Die in Kodizes dargestellten Miniaturbilder wurden in den Skriptorien Dalmatiens (in Osor, Zadar, Šibenik und Split) und in Zagreb geschaffen. Ein besonderer Platz innerhalb der romanischen Kunst gebührt dem Goldschmiedkunstgewerbe (u.a. Kreuze, Reliquiare, tragbare Altäre und Krizifixe).

Portal der Kathedrale des Hl. Laurentius (kroatisch: sv. Lovre) in Trogir (zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert erbaut),  ein im Jahr 1240 geschaffenes Werk des Meisters Radovan.
Fresko mit der Darstellung des Herrschers-Spenders in der Kirche sv. Mihajlo (deutsch: St. Michael) in der Nähe von Ston, ausgeführt in der Manier der benediktinischer Malschule.
Blaž Jurjev Trogiranin (1395 – 1449), der bedeutendste Vertreter der dalmatinischen spätgotischen Malschule (Polyptychon, eine Sammlung sakraler Kunst in der Kirche sv. Ivan Krstitelj (deutsch: Hl. Johannes der Täufer) in Trogir.
Türflügel der Kathedrale von Split aus dem Jahr 1214, sie zählen zu den seltenen, immer noch erhaltenen Türflügeln aus jener Zeit und sind ein Meisterwerk des Andrija Buvina.
Kathedrale des Hl. Jakob in Šibenik. Dem zunächst als eine dreischiffige gotische Kirche begonnenen Kirchenbau fügte Juraj Dalmatinac ein Querschiff und die Kuppel oberhalb der Vierung hinzu, dazu noch drei halbkreisförmige Apsiden, ein Baptisterium und eine Sakristei. Unter den bemerkenswerten bildhauerischen Leistungen zeichnet sich dabei ein Fries mit 72 realistischen Porträts im Stil der Frührenaissance aus.
Die Malerei der Illuminationen (Buchmalerei) erreichte ein hohes Niveau im glagolitischen Missale des Herzogs Hrvoje Vukčić Hrvatinić, dem Werk eines einheimischen Handwerkmeisters (entstanden zwischen 1403 und 1404).

Gotik (13. Jahrhundert – Ende des 15. Jahrhunderts). Die Gotik war im Norden Kroatiens im 13. Jahrhundert erschienen, und ihre typischen und einfachen Elemente erhielten sich bis ins 16. Jahrhundert (die Kirchen in Lepoglava, die St. Markus Kirche in Zagreb). Von der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts an wurden in Dalmatien Kirchen, Rathäuser, Klöster, Stadtlogen und Paläste nach dem Vorbild der venezianischen Gotik erbaut. Der bedeutendste Vertreter dieses gotisch-renaissancen Mischstils war der Baumeister und Bildhauer Juraj Dalmatinac (Anfang des 15. Jahrhunderts – 1473), der in Venedig ausgebildet worden war, wonach er in Italien (Ancona) und in den Städten Dalmatiens wirkte. Im Kontakt mit den aus dem Norden stammenden Kunstrichtungen erreichte die Malkunst in Istrien ihren Höhepunkt in den Fresken von Pazin, Butoniga und Beram (Vincent aus Kastav, die zweite Hälfte des 15. Jahrunderts).

Italienischer Goldschmied Francesco da Milano vollendete im Jahr 1380, gemeinsam mit seinen Mitarbeitern aus Zadar, den Reliquienschrein des heiligen Simeon (Bestellung der kroatisch-ungarischen Königin Elisabeth).
Veliki Tabor, feudale Burg in der Region Hrvatsko zagorje, wurde während des 15. und 16. Jahrhunderts erbaut. Das Schloss verfügt über vier breite halbkreisförmige Renaissancetürme, die sich durch zweistöckige Arkaden bzw. Säulengänge zum Innenhof öffnen.
Lucijan Vranjanin, zentraler Innenhof des herzoglichen Palastes von Urbino (1455 – 1480).

Renaissance (Mitte des 15. Jahrhunderts – 16. Jahrhundert). Kroatien war das erste europäische Land, das die Einflüsse der italienischen Renaissance übernommen hatte. Der italienische Bildhauer und Baumeister Nikola Firentinac (Niccolò von Florenz) brachte den frührenaissancen Stil zu seiner voller Reife in der Kapelle des Seligen Ivan Trogirski in der Kathedrale von Trogir, die er in Zusammenarbeit mit Andrija Aleši ausführte/schuf. In dieser Kapelle befinden sich auch die Statuen des heiligen Johannes des Evangelisten und des hl. Thomas, die Skulpturen des Ivan Duknović, der vor allem in Italien (Sarkophag mit der Skulptur des Papstes Paulus II. aus dem Jahr 1473 befindet sich in der Krypta der Basilika St. Peter in Rom) und am Hof des Königs Matthias Korvin in Ungarn wirkte/tätig war. Während in der Republik Dubrovnik die aristokratischen Sommerresidenzen, in einer sogar im europäischen Vergleich einzigartigen, unverwechselbaren Bautypologie erbaut wurden, wurden im Nordwesten Kroatiens, von Čakovec bis Senj, zahlreiche Festungen zur Verteidigung gegen die Osmanen errichtet; darunter zeichnen sich die Schloss-Festung Veliki Tabor (1505) und die ideale Renaissancestadt-Festung Karlovac (1579) aus.

Julije Klović, Beweinung Christi (nach 1550), Florenz, Uffizien.
Kapelle – Ruhestätte des Seligen Ivan Trogirski, der Höhepunkt des frührenaissancen Humanismus, entstanden in der Zeit zwischen 1468 und 1494.
Nikola Božidarević, Verkündigung (1513), aus der Sammlung des Dominikanerklosters in Dubrovnik.
Franjo Vranjanin, Porträtbüste einer Hofdame  (1472 – 1474), New York, Frick Collection.
Abraham opfert Isaak (1715), ein Werk von Federiko Benković, aus der Strossmayer -Gemäldegalerie Alter Meister in Zagreb.
Anton Lerchinger, Himmelfahrt der seligen Jungfrau Maria, 1772. Das Gemälde befindet sich in der nordkroatischen Kirche der Muttergottes von Jerusalem.

Die Malerei der Renaissance erreichte ihre Reife in den Werken von Nikola Božidarević Anfang des 16. Jahrhunderts. Zu jener Zeit wirkten viele kroatische Künstler in Italien, wo sie den Spitznamen Schiavoni trugen; zu den bekanntesten unter ihnen gehören die Maler Juraj Ćulinović, Andrija Medulić und Julije Klović (Giulio Clovio, 1498 – 1578), der bereits zu seinen Lebzeiten „Michelangelo der Miniatur“ genannt wurde, ferner der Bildhauer Franjo Vranjanin (Francesco Laurana), Autor raffinierter Marmorbüsten sowie der Baumeister Lucijan Vranjanin (Luciano Laurana).

Kruzifix (1740 – 1748) aus Split (Poljud), das Werk des Franziskaners Fulgencije Bakotić.
Einschiffige Wallfahrts- und Votivkirche der Muttergottes von Jerusalem in Trški Vrh bei Krapina.
Sprung von Stjepan Erdödy (1895), Graf Dragutin (Karlo) Drašković, Fotoamateur und Begründer der Kunstfotografie in Kroatien.
Die Holzkirche St. Barbara (18. Jahrhundert) in Velika Mlaka in der Nähe von Zagreb wurde von den örtlichen Handwerkern erbaut.
Das Innere der Kirche wurde ausgiebig von Volkskünstlern bemalt.
Maksimir in Zagreb, eine der ersten öffentlichen Parkanlagen in Europa, wurde 1794 für die Öffentlichkeit eröffnet. Als Natur- und Kulturdenkmal ist Maksimir auf seiner gesamten Fläche von 316 Hektar geschützt.

Barock (17. Jahrhundert – 18. Jahrhundert). Der kroatische Barock fand seinen Ausdruck überwiegend in der Sakralarchitektur (Jesuitenkirche der Hl. Katharina in Zagreb, Kirche der Hl. Maria Schnee in Belec, Kirche der Hl. Muttergottes von Jerusalem in Trški Vrh, Kirche des Hl. Veit in Rijeka, Kathedrale und Kirche des Hl. Blasius in Dubrovnik) sowie in den öffentlichen Bauwerken (Adelspaläste Vojković-Oršić-Rauch in Zagreb und Patačić in Varaždin; Schlösser Gornja Bedekovčina, Daruvar und Ilok; Festung Tvrđa in Osijek). Die illusionistischen Fresken und Stuckdekorationen sowie Altäre und Skulpturen waren hauptsächlich Werke ausländischer Meister: es taten sich insbesondere die Maler Ivan Krstitelj Ranger, Franc und Krištof Andrej Jelovšek hervor, unter den einheimischen Künstlern zeichneten sich Tripo Kokolja und Federiko Benković aus, wobei letzterer in Italien, Österreich und Deutschland wirkte.

Kroatisches Staatsarchiv in Zagreb (ehemalige National- und Universitätsbibliothek), ein Projekt von Rudolf Lubynski, das vortrefflichste Beispiel der Jugendstilarchitektur (1910 – 1913).
Palast der Börse in Zagreb von Viktor Kovačić (der Bau begann im Jahr 1923 und wurde 1927 von Kovačićs Mitarbeiter Hugo Ehrlich vollendet).
Napredak-Genossenschaft in Zagreb (1936), von Stjepan Planić.
Tomislav Krizman, Plakat für Marya Delvard (um 1907).
Jugoslawischer Pavillon auf der EXPO-Ausstellung in Brüssel (1958) von Vjenceslav Richter.
‘Konzerthalle „Vatroslav Lisinski“ in Zagreb (1960 – 1973) von Marijan Haberle, Minka Jurković und Tanja Zdvořak.

Vom Klassizismus bis zur Moderne (Ende des 18. Jahrhunderts – Ende des 19. Jahrhunderts). In der Zeit des Klassizismus kamen die Aufträge für den Bau der architektonischen Objekte hauptsächlich von den Adelsfamilien (Schloss Eltz in Vukovar, 1790), der Kirche (Park Maksimir in Zagreb; Kirche der Hl. Theresia in Suhopolje, 1802 – 1807) und den Militärbehörden (Franz-Joseph-Kaserne in Osijek). In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts konnte das intimere und bescheidenere Biedermeier den Bedürfnissen der Bürgerschicht Rechnung tragen, wobei die dekorativen und Gebrauchsgegenstände entweder eingeführt oder in den kroatischen Glashütten, Steingut-Manufakturen und Möbelwerkstätten hergestellt wurden. Die Malerei des Biedermeier erschien in Kroatien in den 1830er Jahren, in erster Linie mit den ausländischen Wandermalern. Mit Vjekoslav Karas begann die  Verselbstständigung der kroatischen Schule in der Biedermeiermalerei. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war der Historismus die vorherrschende Stilrichtung (die neoromanische Kathedrale in Đakovo 1866 – 1882; die Urbanisierung der Zagreber Innenstadt 1887; der Friedhof Mirogoj und das Gebäude der Gewerbeschule und des Museums für Kunst und Gewerbe in Zagreb 1981). Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann die Entwicklung der Tourismusarchitektur entlang der Kvarnerküste (Hotel Imperial in Opatija 1885) und in Damatien. Die Wiener Secession äußerte sich in den repräsentativen Bauwerken in Zagreb, Osijek und Split, in den frühen Skulpturen des Ivan Meštrović sowie in den Plakaten und Gegenständen der angewandten Kunst von Tomislav Krizman.

Vlaho Bukovac, Gundulićs Traum (1894)
Emanuel Vidović, Angelus (1907)
Josip Račić, Vor dem Spiegel (1908)

Das 20. Jahrhundert und das 21. Jahrhundert. Für die Ideen der Moderne, die schöpferische Freiheit und das Recht auf einen individuellen künstlerischen Ausdruck setzte sich Viktor Kovačić ein; den Funktionalismus vertraten Drago Ibler und Stjepan Planić, die führenden Architekten der Zagreber Architekturschule in der Zwischenkriegszeit. Zahlreiche Architekten, unter denen Marijan Haberle und Ivo Vitić hervorragten, entwickelten nach dem Zweiten Weltkrieg ihre persönliche Ausdrucksweise auf der Grundlage der ästhetischen Postulate der Zagreber Architekturschule. Die Nachkriegsarchitektur fügte sich in den sog. internationalen Stil ein. Vjenceslav Richter projektierte die jugoslawischen Pavillons für die Ausstellungen in Brüssel (1958) und Mailand (1964), Radovan Nikšić und Ninoslav Kučan entwarfen Projekte für die repräsentativen architektonischen Objekte, deren Interieure der Architekt Bernardo Bernardi gestaltete, der wiederum Autor zahlreicher Hotels und hochästhetisierter Gegenstände des Industriedesigns war. Die postmodernistischen Tendenzen lassen sich in den Werken des Zvonimir Krznarić, eines der Koautoren des Krematoriums und der neuen National- und Universitätsbibliothek in Zagreb, erkennen. Wertvolle Werke realisierte auch Nikola Bašić, der sein Augenmerk insbesondere den architektonischen und skulpturalen Interventionen im Raum widmete.

Ljubo Babić, Rote Fahnen (um 1919)
Marino Tartaglia: Figur (1958)
Edo Murtić, Highway (1952)
Miljenko Stančić, Maler Karas (1953)
Emanuel Vidović, Angelus (1907)
Josip Seissel, Pafama (1922)

Die Ankunft des Pariser Schülers Vlaho Bukovac (1855 – 1922) in Zagreb war ein entscheidender Wendepunkt in der kroatischen Malerei; sein offener Kolorismus wurde von mehreren jungen Künstlern (die Zagreber Bunte Schule) übernommen, die den malerischen Flügel der kroatischen Moderne bildeten. Ihren Beitrag zur kroatischen Moderne leisteten auch andere Maler, wie Menci Klement Crnčić, ein Freilichtmaler mit intensiver koloristischer Prägung und Begründer der modernen kroatischen Grafik, und Emanuel Vidović. Josip Račić, Miroslav Kraljević, Vladimir Becić und Oskar Herman studierten in München (wo sie die Gruppe unter dem Namen Die Kroatische Schule bildeten). Ihr malerischer Ausdruck basierte auf der tonalen Modellierung. Die progressiven Entwicklungslinien in der Malerei (vom Cézannismus über Expressionismus und Neorealismus bis zum Neoklassizismus) lassen sich im Opus von Ljubo Babić, dem Autor von heterogenen Stilzyklen, erkennen wie auch im Gesamtwerk von Zlatko Šulentić und dem Opus des Marino Tartaglia, einem Maler, der die avantgardistischen Strömungen in die kroatische Malerei hineinbrachte, verfolgen; dieser Entwicklungsfaden setzte sich fort mit den Elementen des Kubismus und Postkubismus in den Werken der Gruppe der Vier, Prager Schüler, unter denen sich Vilko Gecan und Milivoj Uzelac auszeichneten. Der Architekt und Maler Josip Seissel (Pseudonym Jo Klek) malte im Jahr 1922 das erste abstrakte Gemälde. Die Mitglieder der linksorientierten Gruppe Zemlja (dt.: Erde, 1929 – 1935) setzten sich für die sozial engagierte Thematik ein; ihr führender Ideologe war Krsto Hegedušić, Förderer der naiven Kunst, vor allem der Schule von Hlebine, die sich Mitte des 20. Jahrhunderts internationalen Ruf erwarb, darunter vornehmelich die Maler Ivan Generalić, Ivan Rabuzin und Ivan Lacković Croata.

Ivan Generalić,Roter Stier (1972)
Miroslav Šutej, Objekt I (1968)
Julije Knifer, Der Mäander in der Ecke (1961), Museum für zeitgenössische Kunst in Zagreb
Ljubo Ivančić, Autoporträt mit Staffelei (1958)
EXAT 51 in der Ausstellung des Museums für zeitgenössische Kunst in Zagreb.
Ferdinand Kulmer, Struktur der Wiederholung 172 (1972)

Zu den Künstlern, die den ersten europäischen und amerikanischen Avantgarde-Strömungen der Nachkriegszeit folgten (die lyrische Abstraktion, das Informel und den abstrakten Expressionismus), zählten zunächst Edo Murtić und Ferdinand Kulmer. Die Gruppe EXAT 51 (1951 – 1956) schlug den Weg der geometrischen Abstraktion ein, vor allem in den Werken ihrer führenden Künstler Ivan Picelj und Vladimir Kristl. Dieser Gruppe stand der Maler Julije Knifer nahe, der seiner einzigen Preokkupation treu geblieben ist – dem Mäander. Zum Kreis der post-surrealistischen Maler gehörte Miljenko Stančić; der poetischen Figuration widmete sich Josip Vaništa. Im Rahmen der internationalen Kunstbewegung Neue Tendenzen entwickelte Miroslav Šutej seine visuelle Sprache der Op-Art, wobei er mit den Grenzen zwischen der Malerei, Grafik und Bildhauerkunst spielt. Die konzeptuellen Tendenzen erschienen in Kroatien in der Zeit zwischen 1966 und 1987; zahlreiche Künstler führten ihre Happenings und Performances vor, erstellten ihre künstlerischen Installationen und experimentierten mit den neuen Medien. Viele von ihnen (Mladen Stilinović, Sanja Iveković, Mirko Zrinšćak, Željko Kipke, Goran Petercol) nehmen seit dem Jahr 1991 an der Biennale von Venedig, der Documenta in Kassel und an anderen bedeutenden internationalen Kulturveranstaltungen teil. Vom Anfang des 20. Jahrhunderts an entwickelten zahlreiche Maler und professionelle Plakatgestalter jeweils ihren spefizischen Stil im Bereich der Illustrationen und der Ausstattung von Büchern und Plakaten; in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts führten die Künstler Boris Ljubičić, Boris Bućan und Mirko Ilić grafische, thematische und ikonografische Innovationen ein. Mit den Monumentalwerken von Jagoda Buić (1930) setzte in der zeitgenössischen Tappiserie eine neue Ära ein.

Boris Ljubičić, VIII. Mittelmeerspiele in Split (1979)
Mirko Ilić, Die chauvinistische Farce (1983)
Boris Bućan, Der Feuervogel und Petruschka (1983)
Ivan Meštrović, Kontemplation (1924)
Antun Augustinčić, Friedensdenkmal in New York (1955)
Aleksandar Srnec, Lumino-kinetische Objekte, Museum für zeitgenössische Kunst in Zagreb

Mit den realistischen Skulpturen von Ivan Rendić setzte die Entwicklung der modernen kroatischen Bildhauerkunst ein, sie entfaltete sich dann in den Werken des Robert Frangeš-Mihanović und Branislav Dešković, dem Animalisten impressionistischer Inspiration, bis hin zum großen Bildhauer Ivan Meštrović (1883 – 1962), dem Autor zahlreicher Skulpturen in Marmor, Bronze und Holz sowie architektonisch-skulpturaler Denkmäler, die heterogene Stilmerkmale aufweisen (von der Secession, über den Rodinismus, den antike-, gotik- und renaissancebezogenen Erfahrungen bis zu den von Bourdelle und Maillol vertretenen Auffassungen der skulpturalen Formen). Antun Augustinčić und Vanja Radauš waren Bildhauer des psychologisch motivierten Realismus und der sozial orientierten Bestrebungen. Die Träger eines neuen Geistes in der Zeit nach 1950 waren sowohl Kosta Angeli Radovani als auch die Bildhauer der abstrakten Ausdrucks, wie Vojin Bakić, Dušan Džamonja und Ivan Kožarić, der Autor eines umfangreichen und heterogenen Opus. Anfang der 1950er Jahre konstruierte Aleksandar Srnec seine ersten lumino-kinetischen Objekte. Die Künstler Branko Ružić und Šime Vulas vollbrachten ihre meistens in Holz gestalteten Kunstwerke an der Grenze zwischen Abstraktion und Figuration. Die Neigung zu den Elementen der Pop-Art weisen die Werke von Zvonimir Lončarić und Marija Ujević-Galetović auf. In den abstrakten Formen und ludischen Assoziationen, zugleich in Anlehnung an die Tradition, suchte die jüngere Generation nach neuen Ausdrucksweisen, wie dies in den Skulpturen von Peruško Bogdanić und Dalibor Stošić sowie den Installationen von  Matko Mijić veranschaulicht wird.

Ivan Kožarić, Die gelandete Sonne (1979)

Dušan Džamonja, Skulptur Alp-II (1975)

Vojin Bakić, Denkmal an Ivan Goran Kovačić (1964)

Comic

Die Entwicklung von Comics hängt in Kroatien, wie auch sonst in der Welt, mit den in satirischen Blättern veröffentlichten Karikaturen zusammen. So gilt Maks und Maksić als erster kroatischer Comic, der 1925 als eine direkte, den Werken von Wilhelm Busch entsprungene Kopie entstand. Nachdem Mitte der 1930er Jahre die in den Zeitungen seriell publizierten Comicstrips ihre Blütezeit erlebt hatten, brach für den kroatischen Comic das goldene Zeitalter an: in Zagreb kamen mehrere Magazine mit Comics heraus, die Zeitungen brachten regelmäßig die amerikanischen und einheimischen Comicseriale heraus, und es wirkte eine starke Autorengruppe, zu der sowohl die Zeichner (Andrija Maurović, Walter Neugebauer und Ferdo Bis) als auch die Szenaristen (Krešimir Kovačić, Franjo Fuis und Norbert Neugebauer) gehörten. Der gleiche Autorenkreis wurde dann wieder in der zweiten goldenen Comic-Ära Mitte der1950er Jahre aktiv, als sich um die Zeitschrift Plavi vjesnik zahlreiche Comic-Autoren versammelten, wie der Zeichner Maurović, der damals anfing, seine Zeichnungen in Farbe zu gestalten (Ukleti brod – Geisterschiff, Djevojka sa Sierre – Das Mädchen aus Sierra, Biser zla – Die Perle des Bösen, Čuvaj se senjske ruke – Nimm dich in Acht vor der Senjer Hand), Neugebauer, Žarko Beker, Zdenko Svirčić, Frano Gotovac und der bedeutendste neue Comic-Zeichner, Julije Radilović Jules. Zu den Szenaristen zählten Zvonimir Furtinger (zusammen mit Jules schuf er den klassischen kroatischen Comic Kroz minula stoljeća – Durch die verschollenen Jahrhunderte), Rudi Aljinović und Marcel Čukli. In den Werken von Jules, Vladimir Delač, Borivoj Dovniković, Ivica Bednjanec und Otto Reisinger entwickelte sich zugleich der humoristische Comic mit Karikaturzeichnungen.

Andrija Maurović, Nimmt dich in Acht vor der Senjer Hand
Julio Radilović, Durch die verschollenen Jahrhunderte
Edvin Biuković und Darko Macan, Grendel Tales

Einen ästhetischen Wendepunkt läutete das Aufkommen der sog. dritten Generation der Comiskünstler in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre ein, wie auch der Autorengruppe Das neue Quadrat, zu der Mirko Ilić, Igor Kordej, Ninoslav Kunc, Joško Marušić, Krešimir Zimonić und der Bedeutendste unter ihnen, Radovan Devlić (Macchu Pichu, Kyrill und Method), gehörten. In der darauffolgenden Zeit wurden im kroatischen Comic die von Dem neuen Quadrat (Danijel Žeželj) vertretenen grafischen Tendenzen sowie der Realismus der kommerziellen Comics (Kordej, Edvin Biuković, Esad T. Ribić, Goran Sudžuka) auch weiterhin fortgesetzt, allerdings entwickelten sich zugleich der autochtone kroatische Underground-Comic (Dubravko Mataković) und der alternative Comic (Gruppen Novo hrvatsko podzemlje – Neuer kroatischer Untergrund, Divlje oko – Wildes Auge und Komikaze). Mehreren kroatischen Comic-Künstlern ist es inzwischen gelungen, eine internationale Karriere zu machen (Ilić, Kordej, Biuković, Darko Macan, Sudžuka, Ribić).