Neptunfontäne im Arboretum Trsteno, das 1498 gegründet wurde und das älteste Arboretum weltweit ist. Laut Welttourismusorganisation nahm Kroatien im Jahre 2011 mit 9,9 Millionen ausländischen Gästen den sechsten Platz unter den am häufigsten besuchten touristischen Reisezielen im Mittelmeerraum ein – nach Frankreich, Spanien, Italien, der Türkei und Griechenland.

Wirtschaft

Tourismus

Obwohl Kroatien in Bezug auf die Anzahl der Touristenankünfte mit den Tourismus-Großmächten wie Frankreich, Spanien, Italien, die Türkei oder Griechenland nicht Schritt halten kann, zählt es mit seinen 11,8 Millionen touristischer Ankünfte im Jahre 2012 und mit einem mehrjährig verzeichneten Aufwärtstrend bei den Ankünften zweifellos zu den meist besuchten Mittelmeerländern.

Dafür sprechen auch mehrere im letzten Jahrzehnt festgestellte Phänomene, wie: „die Entdeckung“ Kroatiens in zahlreichen Beiträgen führender internationaler Zeitschriften und anderer Medien, in denen die Natur- und Kulturattraktionen Kroatiens lobend hervorgehoben werden; die evidente Zunahme von Touristenankünften aus immer mehr neuen Herkunftsländern; der bedeutende Anteil des Tourismus am kroatischen BIP (14 %); eine wachsende Zahl geschützter materieller und nicht-materieller Kulturgüter. Ferner lassen sich u.a. auch steigende Kapitalanlagen in die touristische und begleitende Infrastruktur sowie das immer vielfältigere touristische Angebot verzeichnen.

Dubrovnik, die meistbesuchte und bekannteste touristische Destination, ist eine einmalige Renaissance-Stadt im Mittelmeerraum, mit gut erhaltenen, im Zeitraum zwischen dem 13. und 17. Jahrhundert ausgebauten Stadtmauern. Der historische Stadtkern wurde im Jahr 1979 von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.
Rovinj, in letzter Zeit die meistbesuchte Stadt Istriens.
Opatija

Der Tourismus ist zweifellos die einträglichste Einnahmequelle, insbesondere während des Sommers in der Küstenregion. Dort ist nämlich die Einteilung aller Jahresaktivitäten in die Aktivitäten „innerhalb der Saison“ und in die Aktivitäten „außerhalb der Saison“ allgemein anerkannt. Die touristische Sommersaison, die hauptsächlich von Anfang Juni bis Ende September dauert, ist die wichtigste Triebfeder für die Entwicklung dieser touristisch aktivsten Gegend, in der 56 Millionen Übernachtungen im Jahr 2011 verzeichnet wurden (94 % aller Übernachtungen in Kroatien). Von der Gesamtzahl (63 Millionen) aller Übernachtungen im Jahr 2012 entfielen 92 Prozent auf Übernachtungen ausländischer Touristen. Der Großteil der Übernachtungen ausländischer Gäste (32 %) wurde in der Gespanschaft Istrien realisiert, die auch hinsichtlich ihrer ausgebauten Infrastruktur touristisch am weitesten entwickelt ist. Ihr folgen weitere Gespanschaften der Küstenregion: Primorje-Gorski Kotar (19 %), Split-Dalmatien (17 %), Zadar (11 %) sowie die Gespanschaften Dubrovnik-Neretva, Šibenik-Knin und Lika-Senj (insgesamt 17 %). Die restlichen, d.h. die kontinentalen Gespanschaften realisieren 4 % aller Gesamtübernachtungen. Dementsprechend sind auch die Unterkunftskapazitäten hauptsächlich längs der adriatischen Küste verteilt.

Da aufgrund moderner Trends im Fremdenverkehr die Unterbringung von Touristen in riesigen, wie im Sozialismus erbauten Hotelanlagen heute nicht mehr gefördert wird, sondern vielmehr der Individualismus angestrebt wird, befindet sich heute ein Großteil der Betten in Privatunterkünften. Deshalb werden auch die meisten Übernachtungen in Privatunterkünften (34 %) realisiert, gefolgt von Hotels (26 %). Aus ähnlichen Gründen wurden die einst äußerst populären Arbeiter- und Kinderferienheime, als eine besondere Kategorie von Unterkunftskapazitäten, entweder verlassen oder umfunktioniert.

Opatija, das älteste Fremdenverkehrszentrum an der Adria. Die Stadt zeichnet sich durch ihre zahlreichen Villen aus, die bekannteste unter ihnen ist die Villa Angiolina aus dem Jahre1844. Sie wurde als Familiensommerresidenz der Patrizier aus Rijeka erbaut, wurde aber bald zum Treffpunkt zahlreicher prominenter Kurgäste und Reisender.
Yachthafen (Marina) in der Stadt Biograd na moru. In Kroatien gibt es heute 54 Marinas und 44 Häfen, bzw. Anker- und Liegeplätze sowie Trockendocks, mit rund 12 000 Anlegeplätzen im Meer. Obwohl der nautische Tourismus schon im 19. Jahrhundert in Kroatien präsent war, gewann er erst in den 1980er Jahren mit der Gründung der meisten heute aktiven Marinas und Nautikklubs an Bedeutung.
Der Strand Zlatni rat (Das goldene Horn) in Bol auf der Insel Brač. Die am stärksten entwickelte Tourismusform ist schon traditionell der Sonne und Strand-Badetourismus, und in letzter Zeit entwickeln sich immer stärker auch der Tauchtourismus, der nautische Tourismus und Naturismus, „Robinsontourismus“ in abgelegenen Leuchttürmen sowie Abenteuertourismus und Schiffskreuzfahrten. Natürlich können auch Gäste, die von anderen Tourismusformen begeistert sind, wie vom Gesundheits- und Kulturtourismus, vom ruralen Tourismus sowie vom Kongreß-, Religions- oder Jagdtourismus, in Kroatien ihren Interessen nachgehen.

Geschichtlicher Überblick. Kroatien blickt auf eine ungefähr 150 Jahre lange Tradition des organisierten Fremdenverkehrs zurück, obwohl bestimmte tourismus-ähnliche Reiseformen auch vorher, schon Anfang des 19. Jahrhunderts, existierten (wie Wallfahrten und Kurreisen), zu deren Zweck dann die ersten Gasthöfe, Herbergen, Hotels und Thermalheilbäder errichtet wurden (Daruvarske toplice, Stubičke toplice und Varaždinske toplice).

Der Zeitraum von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg war durch den Ausbau von Straßen und Eisenbahnstrecken sowie durch die Einführung von Dampfschiffslinien auf der Adria, als wichtige Voraussetzungen für eine ernsthafte Beschäftigung mit dem Tourismus, gekennzeichnet. Damals wurden die ersten Hotels eröffnet, zuerst in Opatija (Villa Angiolina 1844 und Kvarner 1884), dann in Zagreb, Samobor, Zadar, Crikvenica, Dubrovnik und in anderen Städten. Es wurden die ersten Reiseführer verfasst (schon 1845 in Poreč und in Pula) und 1892 begann man in Zagreb organisierte Forschungsreisen ins Velebit-Gebirge und an die adriatische Küste zu veranstalten. Die Küstenortschaften (insbesondere diejenigen in der Kvarner-Bucht) wurden zu Zentren des Heiltourismus, in denen folglich die ersten touristischen Fremdenverkehrsvereine gegründet wurden (1866 in der Stadt Krk und 1868 auf der Insel Hvar).

In der Zwischenkriegszeit erfreute sich der Tourismus eines ungeheuren Aufschwungs mit durchschnittlich einer Million Touristenankünften pro Jahr (um 1930). Es wurden obligatorische Aufenthaltsgebühren eingeführt und Wechselstuben eröffnet. Die dem Tourismus gewidmeten Fachzeitschriften wurden publiziert und die ersten inländischen und internationalen Fluglinien eingerichtet.

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Ode an die Freude

Über den Tourismus als Massenphänomen kann man seit etwa sechzig Jahren sprechen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zuerst zum Wiederaufbau der durch Kriegsverwüstungen zerstörten touristischen Infrastruktur und zu ihrer Nationalisierung. Gleichzeitig begann man mit der Gründung von Nationalparks und Naturparks sowie mit der Gründung von Theater-, Film- und Musikfestspielen (Dubrovniker Sommerspiele, Der Spliter Sommer, Pula Filmfestival u.a.). Während der wirtschaftlichen Expansion in den 1960er Jahren begann man in erster Linie an der adriatischen Küste, aber auch im Landesinneren mit dem Ausbau von zahlreichen touristischen Einrichtungen – Hotels, Marinas, Campingplätzen, ja sogar von ganzen touristischen Siedlungen (Thermalbäder in Hrvatsko zagorje und in Slawonien, Teile der Nationalparks in Lika und in Gorski Kotar). Ein für den Tourismus äußerst bedeutendes Jahr war das Jahr 1979, als die ersten drei Lokalitäten Kroatiens in die UNESCO-Weltkulturerbeliste aufgenommen wurden (der Diokletianpalast in Split, die Altstadt von Dubrovnik und der Nationalpark Plitvicer-Seen).

Mit der Umstrukturierung und Privatisierung von touristischen Unternehmen veränderte sich Anfang der 1990er Jahre auch ihre Eigentumsstruktur. Aufgrund der Kriegsgefahr und der blockierten Verkehrsverbindungen zwischen dem Landesinneren und den Küstengebieten starb der Tourismus während des Heimatkrieges beinahe aus. In den touristischen Beherbergungsbetrieben wurden zahlreiche Vertriebene aus allen Teilen Kroatiens sowie Flüchtlinge aus dem benachbarten Bosnien und Herzegowina untergebracht. Einen neuen Aufschwung erlebte der Tourismus in der Zeit nach 1995 und ganz besonders nach dem Jahr 2000. Seitdem verzeichnen zahlreiche kroatische Ortschaften einen starken Zuwachs ausländischer Touristen und Kroatien selbst wird an der Spitze der touristischen Nachfrage positioniert.

Touristenankünfte 1980–2012
Poreč, eine der meistbesuchten touristischen Destinationen.
Herkunftsstruktur ausländischer Touristen im Jahr 2012

Umsatz und Reisegäste. In den letzten dreißig Jahren lassen sich in der Tourismusindustrie drei kennzeichnende, ganz und gar unterschiedliche Etappen feststellen. In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre wurde der gleichmäßige Wachstumstrend hinsichtlich der Anzahl der Gästeankünfte fortgesetzt, wodurch die Anzahl von 10 Millionen Touristenankünften überschritten wurde. Danach folgte die Etappe des Heimatskrieges, während der die Anzahl der Ankünfte verständlicherweise blitzschnell zurückging (im Jahr 1995 wurden weniger als 2,5 Millionen Touristenankünfte verzeichnet). In der Nachkriegszeit begann diese Zahl wieder zu steigen, so dass in den letzten Jahren mehr als 10 Millionen Ankünfte, bzw. über 60 Millionen Übernachtungen verzeichnet werden konnten.

Von 1980 bis heute ist der Anteil ausländischer Touristen nach wie vor größer als derjenige inländischer Touristen, wobei die meisten Gäste schon traditionell aus Deutschland, Slowenien (ehemalige Inlandstouristen), Österreich, Italien, Tschechien und aus der Slowakei (früher Tschechoslowakei) kommen. Seit etwa zehn Jahren ist die Zahl der Touristen aus Frankreich, Holland und Polen, aber auch aus den Überseeländern, angestiegen.

Neben der schon erwähnten intensiver betriebenen Werbung, die sicherlich dazu beigetragen hat, dass im letzten Jahrzehnt das Interesse an Kroatien zugenommen hat, spielten bei der Vervollständigung der Herkunftsstruktur ausländischer Gäste durch neue Touristengruppen sowohl die Einführung von Billigfluglinien als auch ein vielfältiges Angebot an preiswerten Unterkunftsmöglichkeiten für die Touristen mit geringerer Zahlungskraft eine bedeutende Rolle. Durch die Entwicklung der Kreuzfahrtbranche an einigen Reisezielen (insbesondere in Dubrovnik) und seit Eröffnung und Kapazitätenerweiterung vieler Marinas besuchen Kroatien andererseits von Jahr zu Jahr auch immer mehr Touristen mit höherer Kaufkraft. Gemessen an der Ankunfts- und Reiseart überwiegen auch weiterhin die Individualreisen (64 %). Nur ein Drittel der Besucher entscheidet sich für organisierte Pauschalreisen. Im Durchschnitt halten sich die Touristen in Kroatien 6 Tage auf, dabei etwas länger im Sommer und kürzer während der restlichen Jahreszeiten.