Der Dienstleistungssektor macht rund zwei Drittel des kroatischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus. Zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen gehören Schiffbau, Bauwesen, Petrochemie und Lebensmittelindustrie. Der bedeutendste Wirtschaftszweig ist der Tourismus mit rund 10 Millionen ausländischen Gästen pro Jahr und einem Anteil von 15 % am BIP. Mit den Ländern der Europäischen Union, vor allem mit Italien, Deutschland, Slowenien und Österreich wickelt Kroatien fast zwei Drittel seines Außenhandels ab.

Wirtschaft

Wirtschaftszweige

Kroatien ist nicht besonders reich an Erzbodenschätzen. Die Schließungen von Kohlenzechen und Bergwerken (Bauxit) erfolgten schon in den 1970er und 1980er Jahren. Es existieren aber bedeutende Quellen von nichtmetallhaltigen Mineralien, die als Rohstoffe im Bauwesen eingesetzt werden (Kies, Sand, Mergel, Naturstein). Kroatien verfügt über eigene natürliche Energiequellen, einschließlich Erdöl und Erdgas, aber in erster Linie verfügt es über erneuerbare Energiequellen, wie Windenergie, Wasserkraft und Solarenergie. Aus dem Meer werden beträchtliche Mengen an Meersalz gewonnen und verarbeitet (Meerwassersalinen in Pag und Ston).

Landwirtschaft und Fischerei

Die landwirtschaftliche Nutzfläche Kroatiens erstreckt sich auf insgesamt 3,15 Millionen Hektar, von denen rund 2 Millionen Hektar als Ackerland genutzt werden, während der Rest auf Weiden, Teiche und Fischweiher entfällt. Eine Vielfalt unterschiedlicher Klima-, Relief- und Bodentypen ermöglicht die Herstellung eines breiten Sortiments an landwirtschaftlichen Produkten; von Ackerbau- und Industriepflanzen bis zu den Weinbergen und dem Anbau von kontinentalen und mediterranen Frucht- und Gemüsesorten. Der Ackerbau deckt den gesamten heimischen Bedarf an Getreide und Zucker sowie den vorwiegenden Bedarf an Industriepflanzen. Kroatien ist ein Land des Weinbaus, in dem sowohl kontinentale als auch mediterrane Traubensorten gedeihen, von denen einige sogar autochthon sind. Die Weinberge erstrecken sich auf einer Fläche von 58.000 Hektar, auf der im Jahr 2011 rund 1,4 Millionen Hektoliter Wein erzeugt wurden.

Die Windturbinen auf dem Berg Trtanj stellen eine bedeutende Quelle der Windenergie dar, mittels derer die Stadt Šibenik mit Strom versorgt wird.
Dank seiner geografischen Lage, der Bodenbeschaffenheit und dem Klima ist das Gebiet Lika reich an hauptsächlich für die Schafzucht genutzten Weideplätzen, wie dies das Foto vom Flusstal der Lika zeigt. Das Weideland erstreckt sich auf 26 % der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche Kroatiens.
Die Austern aus der Bucht von Mali ston (Malostonski zaljev) zählen zu den hochwertigsten und meist geschätzten Austern Europas.

Dank seinen Eigenschaften zählt das istrische Olivenöl zu den hochwertigsten und meist preisgekrönten Olivenölen der Welt. In Kroatien werden jährlich rund 50.000 Hektoliter Olivenöl hergestellt.

Die Viehzucht spielt schon seit jeher eine bedeutende Rolle, wobei Rinder-, Schweine-, Geflügel- und Schafzucht besonders gut entwickelt sind. Zu den weltberühmten Produkten mit geschützter Ursprungsbezeichnung gehören: dieslawonische Salami Slavonski Kulen, der dalmatinische und der istrische luftgetrocknete Schinken Dalmatinski Pršut und Istarski Pršut sowie der Pager Käse.

Die Fischerei und Fischverarbeitung werden hauptsächlich im Küsten- und Inselgebiet des Landes betrieben. Im Jahr 2011 wurden rund 78.000 Tonnen Meeresfisch und 6.300 Tonnen Süßwasserfisch gefangen und gezüchtet. In der Seefischerei dominieren blaue Fischarten (Sardellen, Makrelen), rund ein Fünftel des Fanges entfällt auf den Weißfisch sowie auf Schalen- und Weichtiere. In der Binnenfischerei werden hauptsächlich Karpfen und Forellen gezüchtet.

Industrie, Energiewirtschaft und Bauwesen

Bis zum Beginn der Rezession nahm die industrielle Produktion in Kroatien einen bedeutenden Platz in der Gesamtproduktion des Landes ein. Die bedeutendsten Industriezweige waren die verarbeitende Industrie, die Erdöl- und Erdgasindustrie sowie der Schiffbau. Einige Unternehmen wurden im Laufe des Transitionsprozesses aufgelöst, etliche wurden wiederum im Krieg zerstört. Dies bezieht sich in erster Linie auf die Fabriken der Textil-, Leder-, Metall- und Holzindustrie. Eine bedeutende Rolle spielte auch die Produktion im Rahmen des Bauwesen- und Energiesektors. Bestimmte Industriezweige verzeichnen aber auch weiterhin positive Ergebnisse und sind aktiv am Außenhandel beteiligt. Der Absatzwert der Industrieprodukte belief sich im Jahr 2011 auf 129,8 Milliarden Kuna (17,4 Milliarden Euro), wobei 49,1 Milliarden Kuna (6,6 Milliarden Euro) auf den Export entfielen. Gemessen am Gesamterlös zählen zu den führenden Industriezweigen die Produktion von Lebensmitteln sowie die Produktion von Getränken und Tabakwaren, gefolgt von der Chemie- und Erdölindustrie. Die führenden Industriezweige im Export sind Mineralölverarbeitung (11,8%), Fahrzeugbau (11,2%), Herstellung von Chemikalien und chemischen Produkten (8,3%), Lebensmittelindustrie (8,1%), Elektroindustrie (7,8%), Maschinenbau (6,3%), Herstellung von Metallfertigprodukten (6,1%), Produktion von Pharmazeutika (4,2%), Textil- und Bekleidungsindustrie (2,9%), Holzwirtschaft und holzverarbeitende Industrie (3,4%).

Landwirtschaftliche Nutzflächen  im Jahr 2010
Obst- und Olivenproduktion im Jahr 2010
Fischerei – Fangstruktur im Jahr 2010

Der Energiesektor stützt sich hauptsächlich auf die elektrische Energie, Erdgas und Erdöl. 2011 wurden insgesamt 11.264 GWh elektrischer Energie erzeugt. Fast die Hälfte der erzeugten Energie stammt aus Wasserkraftwerken und der restliche Anteil aus Wärmekraftwerken. Ein Teil von der auf diese Weise erzeugten Energie wird gelegentlich exportiert. Die zu Tage geförderten Erdgas- und Erdölmengen sind nicht ausreichend, um den heimischen Bedarf zu decken. Die Erdölfelder in Slawonien und in der Podravina (Drauniederung) decken 20-25 % des Bedarfs, während durch die Erdgasförderung rund 65 % des heimischen Bedarfs an dieser Energiequelle gedeckt werden.

Vor Beginn der Rezession war das Bauwesen einer der propulsivsten Wirtschaftssektoren Kroatiens, insbesondere im Bereich des Straßenbaus sowie im Wohn- und Geschäftsbau. Seit 2008 ist aber ein wesentlicher Rückgang der Bauvorhaben zu verzeichnen.

Dienstleistungen, Handel und Verkehrswesen

Das Straßennetz Kroatiens besteht aus 29.333 km kategorisierten Straßen, davon entfallen 1.563 km auf Autobahnen. Bezogen auf die Gesamtfläche des Landes und die Einwohnerzahl nimmt Kroatien hinsichtlich der Länge ausgebauter Autobahnen eine führende Position in Südosteuropa ein. Die erste Autobahn Zagreb – Karlovac wurde 1972 für den Verkehr eröffnet, das Autobahnnetz wurde aber insbesondere gegen Ende der 1990er und Anfang der 2000er Jahre vervollständigt. Das internationale E-Straßen-System umfasst mehr als 2.300 km kroatischer Straßen. Der Großteil des Personen- und Güterverkehrs wird über das Straßennetz abgewickelt.

Die Gesamtlänge der Eisenbahnstrecken beläuft sich auf 2.726 km (davon sind 36,2 % elektrifiziert und 9,3 % doppelgleisig). Die wichtigsten kroatischen Eisenbahnknoten sind Zagreb und Vinkovci.

Franjo-Tuđman-Brücke in Dubrovnik, 2002 errichtet, ein Meisterwerk des kroatischen Tiefbaus.
Die Firma Uljanik aus Pula wurde 1856 als Werft für Kriegsschiffe der Österreichisch-Ungarischen Marine gegründet. Heute ist sie die wichtigste Schiffbaufirma in Südosteuropa, die für Käufer aus der ganzen Welt spezielle Schiffstypen produziert, wie Massengutfrachter, Rohöl-Tanker, Containerschiffe, Schiffe für den Automobiltransport und Passagierschiffe.
Exportstruktur

Entlang der kroatischen Küste gibt es rund 350 Seehäfen und Schiffsanlegeeinrichtungen (Docks), wobei die Häfen von Pula, Rijeka, Zadar, Šibenik, Split, Ploče und Dubrovnik am internationalen Handelsverkehr beteiligt sind. Durch seine strategisch günstige Lage und seinen hohen Hafenumschlag hebt sich besonders der Hafen Rijeka hervor. Die Verkehrsanbindung der Inseln mit dem Küstengebiet funktioniert mittels Fähr- und Schiffsverkehrslinien, welche die kroatische Küste teilweise auch mit dem italienischen Küstengebiet verbinden. Der bedeutendste Hafen an einer Binnenwasserstraße ist Vukovar an der Donau.

Am internationalen Luftverkehr sind die Flughäfen von Zagreb, Pula, Zadar, Split und Dubrovnik sowie die Flughäfen auf den Inseln Brač und Krk (Rijeka) beteiligt.

Zur Erdölbeförderung wurde das System der Adriatischen Ölpipeline (JANAF) errichtet. Es verbindet den Ölterminal Omišalj auf der Insel Krk mit den kroatischen Erdölraffinerien in Rijeka und Sisak und verfügt ebenso über Abzweigungen zu den Nachbarländern. Die Gesamtlänge dieser Ölpipeline beträgt 759 km; davon befinden sich 610 km in Kroatien.

Rijeka, der größte kroatische Hafen. Dank naturbedingten Gegebenheiten (Meerestiefe) und Verkehrsanbindungen zum Hinterland entwickelte sich die Stadt gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu einem starken Hafen- und Industriezentrum.
Die Zagreber Messe, eine traditionelle internationale Leistungsschau wirtschaftlicher Erfolge, wird seit 1909 regelmäßig veranstaltet. Seit 1956 findet sie auf dem heutigen Standort statt. Die Hauptmesse wird im September veranstaltet, im Laufe des Jahres finden spezialisierte Fachmessen und Ausstellungen statt.
Die Autobahn  Zagreb – Split (A1), Knotenpunkt Žuta lokva.

Das Telekommunikationsnetz ist voll digitalisiert und das modernste in Südosteuropa. Der Telekommunikationsmarkt ist liberalisiert, auf dem Markt sind mehrere Festnetz- und Mobilfunknetzbetreiber präsent. 66 Prozent der Haushalte verfügen über einen Internetzugang, was unter dem EU-Durchschnitt, aber oberhalb des Durchschnittes einiger EU-Mitgliedsstaaten liegt.

Im kroatischen Außenhandel sind die Importe fast doppelt so hoch wie die Exporte. Im Jahr 2011 wurden Produkte im Wert von 9,6 Milliarden Euro ausgeführt, während der Wert von importierten Produkten 16,2 Milliarden Euro betrug. Den Großteil der Exporte tätigt Kroatien nach Bosnien und Herzegowina, Österreich, Italien, Deutschland, Slowenien, Großbritannien, Serbien, Ungarn und Russland; die meisten Importprodukte kommen aus Italien, Deutschland, China, Russland, Österreich, Aserbeidschan sowie Bosnien und Herzegowina.

Im Dienstleistungssektor nehmen der Tourismus und mit Tourismus verbundene Dienstleistungen den größten Anteil ein. Im Rahmen des Dienstleistungsbereichs wird der höchste Umsatz in kleinen und mittelständischen Unternehmen erzielt. Die meisten Beschäftigten werden nach wie vor in Großunternehmen eingestellt.