Im Jahr 1990 zählte Kroatien, neben Slowenien und Tschechien, zu den höchst entwickelten Transitionsländern Mitteleuropas. Seine wirtschaftliche Entwicklung wurde aber durch erhebliche, auf insgesamt 37,1 Milliarden US-Dollar geschätzte Kriegsschäden beeinträchtigt, die sowohl die wirtschaftliche Transition als auch die Privatisierungsprozesse erschwerten. Erst im Jahr 2004 konnte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) aus der Vorkriegszeit eingeholt werden. Das aktuelle BIP pro Einwohner beträgt 61% des EU-Durchschnitts (2012). Im Jahr 1994 wurde die Nationalwährung Kuna eingeführt.

Wirtschaft

Wirtschaftliche Transition

Die kroatische Wirtschaft ist eine der stärksten in Südosteuropa und, gemessen am Sozialprodukt, sogar stärker als die Volkswirtschaften einiger Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. Nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Systems durchlief sie einen Transformationsprozess zur offenen Marktwirtschaft, was sich insbesondere im Bereich der industriellen Produktion  zeigt.

In der Österreichisch-Ungarischen Monarchie war die Wirtschaft auf dem Gebiet Kroatiens noch größtenteils landwirtschaftlich geprägt, obwohl dies auch die Zeit der aufkeimenden Industrialisierung war. Das einheimische Kapital war begrenzt, daher dominierten das österreichische und das ungarische Kapital. Dabei wurden überwiegend Naturressourcen (Forste) und landwirtschaftliche Produkte verarbeitet. Die gleichzeitige Entwicklung des Verkehrs, vor allem des Eisenbahnverkehrs, ermöglichte die Entstehung erster bedeutender Industriezentren (Rijeka, Zagreb, Osijek, Karlovac, Sisak). Die Voraussetzungen für die Entwicklung der Industrie wurden noch günstiger, nachdem Kroatien zu einem Teil des jugoslawischen Staates wurde, innerhalb dessen Kroatien, neben Slowenien, das am stärksten entwickelte Gebiet war. Dazu trug auch die Tatsache bei, dass der Markt größer wurde und durch Zölle geschützt war.

Land- und forstwirtschaftliche Ausstellung, 1891 in Zagreb; eine repräsentative Leistungsschau der kroatischen Wirtschaft gegen Ende des 19. Jahrhunderts.
Werbeanzeige einer kroatischen Fabrik vor dem Zweiten Weltkrieg.
Die Kroatische Nationalbank, (Hrvatska narodna banka – HNB) ist die nationale Zentralbank der Republik Kroatien und als solche für die Formgebung und Ausführung der Geld- und Wechselkurspolitik und für die Ausgabe von Banknoten und Münzen verantwortlich sowie für die Aufsicht über die Geschäftsbanken und über das gesamte kroatische Zahlungssystem.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es im Rahmen der sozialistischen Volkswirtschaft zur beschleunigten Industrialisierung und Entwicklung von wirtschaftlich unterentwickelten, bis dahin überwiegend landwirtschaftlichen Gebieten. Der jugoslawische Selbstverwaltungssozialismus war spezifisch, er unterschied sich vom zentralistischen Plansozialismus anderer osteuropäischer Länder und war dynamischer als dieser. Das Eigentum, das durch Nationalisierung verstaatlicht wurde, wurde im Einklang mit diesem Modell in gesellschaftliches Eigentum umgewandelt. Die wichtigsten Verwaltungsorgane in den Unternehmen waren die Arbeiterräte, durch die die Arbeitnehmer zumindest formal die Entscheidungen über Produktion und Güteraufteilung treffen konnten. Die höchsten Wachstumsraten wurden im Zeitraum von 1953  bis 1963 verzeichnet, als die jugoslawische und folglich auch die kroatische Wirtschaft europaweit zu den dynamischsten Wirtschaften zählten. Aber schon in den 1970er Jahren verlangsamte sich der Wachstumsprozess, und in den 1980er Jahren wies die Wirtschaft Anzeichen einer Krise auf, die sich vor allem durch hohe Inflation äußerte. Kroatien war aber weiterhin, neben Slowenien, die wirtschaftlich am stärksten entwickelte Teilrepublik Jugoslawiens, insbesondere im Bereich der Landwirtschaft, der industriellen Produktion, des Bauwesens, der Mineralölindustrie, des Schiffbaus und des Tourismus.

Die Kroatische Kuna (Kuna kroat. für Marder) ist die Nationalwährung. Im Mittelalter wurden die Marderfelle als Zahlungsmittel eingesetzt, ab dem 13. Jh. gab es die ersten Marder-Abbildungen auf den Münzen. Heute ist die Kuna eine konvertible, stabile Währung (ISO-Code HRK)

Nach dem Zerfall Jugoslawiens begann der Transformationsprozess der kroatischen sozialistischen und halbfreien Marktwirtschaft in ein System, das auf Privateigentum und freier Marktwirtschaft basiert. Diese Umwandlung wurde aber durch den Aggressionskrieg gegen Kroatien und durch die Anpassung der kroatischen Wirtschaftspolitik an die Verteidigungsbedürfnisse verzögert und beeinträchtigt. Die wirtschaftliche Entwicklung wurde zudem durch die erheblichen Kriegsschäden belastet, die 1999 auf insgesamt 37,1 Milliarden US-Dollar geschätzt wurden. Dadurch wurden auch die wirtschaftliche Transition und der Privatisierungsprozess erschwert. Außerdem verlief der Transformationsprozess, bei dem das ehemalige öffentliche (gesellschaftliche) Eigentum in staatliches und danach wiederum in privates Eigentum umgewandelt wurde, über Abmachungen unter den Mitgliedern der politischen und wirtschaftlichen Eliten. Nicht selten wurden Unternehmenserwerbe und tatsächliche Investitionen in diese Firmen nur vorgetäuscht. Aus diesem Grunde hatte die Transition zahlreiche negative soziale und wirtschaftliche Auswirkungen nach sich gezogen, wie Verarmung der Bevölkerung, Anstieg der Korruption, Zunahme der Wirtschaftskriminalität und Zerschlagung von Unternehmen.

Die Trends im Bruttoinlandsprodukt seit der Einführung der Kuna
Bruttoinlandsprodukt 2011 in Kroatien und einigen Mitgliedsstaaten der EU
Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner 2011 in den Ländern Südosteuropas

Gegen Ende Dezember 1991 wurde der kroatische Dinar als vorübergehende Währung und im Jahr 1994 die kroatische Kuna als neue Nationalwährung eingeführt. Ab Oktober 1993 begann Kroatien, Standby-Abkommen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) abzuschließen, und von 1994 an erhielt Kroatien schon die ersten Kredite von der Weltbank und von der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung. Dadurch verbesserte sich die wirtschaftliche Lage, aber gleichzeitig führte dies zur weiteren Verschuldung. Nachdem die unmittelbar  durch Kriegshandlungen verursachten Diffizilitäten überwunden wurden, trat Kroatien in eine Etappe des wachsenden Bruttoinlandsprodukts (BIP) ein. Im Jahr 2002 wurde mit 5,2 % die höchste jährliche Wachstumsrate verzeichnet, im Jahr 2003 erreichte das BIP die Vorkriegswerte (24,8 Milliarden US-Dollar im Jahr 1990). Der BIP-Wachstumstrend setzte sich bis 2008 fort, als es zum Rückgang und danach zur Stagnation kam, die in erster Linie auf die weltweite Rezession zurückzuführen waren.

Ende der 1990er Jahre bildete den Großteil des BIP der Dienstleistungssektor (59%), gefolgt vom Industriesektor (32%) und Agrarsektor (9%), also ähnlich wie in den meisten entwickelten Ländern. Aufgrund abwechselnder Zyklen von Wachstum und Rezession in der Weltwirtschaft wurden in den letzten Jahren in sämtlichen Wirtschaftszweigen, mit Ausnahme des Tourismus, negative Trends verzeichnet.

Im Jahr 2011 waren von der Gesamtzahl aller Erwerbstätigen 55,6 % in Unternehmen im Privatbesitz beschäftigt, weiterhin 37,1 % in Unternehmen im Staatsbesitz, 7 % in Firmen im Mischbesitz und 0,3 % in Unternehmen im Genossenschaftsbesitz eingestellt. Die meisten Arbeitnehmer sind in der verarbeitenden Industrie, in der Land- und Forstwirtschaft, in der Fischerei, im Handel sowie im Gesundheitswesen und im Tourismus tätig.