Der Kroatische Frühling, Kundgebung von 1971 in Zagreb. Die herausragendsten Anführer dieser Reformbewegung waren Savka Dabčević-Kučar (1923 – 2009) und Miko Tripalo (1926 – 1995). Nach 1971 wurden mehr als 2.000 Personen wegen ihrer Beteiligung am Kroatischen Frühling zu Haftstrafen verurteilt und mehrere zehntausend Menschen entweder entlassen oder in ihren Arbeitsplatzpositionen degradiert. Das Wirken des Kulturvereins  Matica hrvatska wurde verboten und zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften wurden eingestellt, wie beispielsweise die Wochenzeitung Hrvatski tjednik (Kroatisches Wochenblatt), deren Chefredakteur Vlado Gotovac (1930-2000) war. Es begann die Zeit des „kroatischen Schweigens“, die bis zum Jahr 1989 andauerte.

Geschichtlicher Überblick

Jugoslawien und der Zweite Weltkrieg

(1918 – 1990)

Im Königreich Jugoslawien (1918 – 1941)

Die Vereinigung zum Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (ab 1929 Königreich Jugoslawien) wurde gegen die föderalistische, von der kroatischen politischen Elite vertretenen Konzeption durchgeführt und vom Kroatischen Sabor nicht ratifiziert. Ihre Durchführung war zudem von politischen und militärisch-polizeilichen Repressionen begleitet – die am 5. Dezember 1918 in Zagreb veranstalteten friedlichen Demonstrationen wurden blutig erstickt (sogenannte Dezember-Opfer).

Die kroatische Frage ist ein Ausdruck, der den Kampf des kroatischen Volkes um die Anerkennung seiner nationalen Eigenartigkeit, vor allem in der Zwischenkriegszeit (1918 – 1941), bezeichnet.

Mit der Verabschiedung der aufgezwungenen Veitstagverfassung (1921), die sogar ohne qualifizierte Mehrheit angenommen wurde, ferner durch die Errichtung einer offenen Königsdiktatur (1929) und durch die Einführung der sogenannten Oktroyierten Verfassung (1931) befand sich das Königreich Jugoslawien in einer andauernden politischen Krise. Wegen der ungelösten nationalen, wirtschaftlichen und politischen Fragen herrschten im Land politische Unzufriedenheit und Spannungen. Die Staatskrise erreichte ihren Höhepunkt mit dem 1928 im Belgrader Parlament verübten Attentat auf kroatische Parlamentarier, bei dem auch der Anführer der kroatischen Opposition Stjepan Radić tödlich verletzt wurde. Diese Staatskrise übertrug sich immer stärker auf die Beziehungen zwischen den Kroaten und Serben.

Stjepan Radić (1871 – 1928) war Politiker und Gründer der Kroatischen Volks- und Bauernpartei (später Kroatische Bauernpartei, Hrvatska seljačka stranka) und politischer Anführer der Kroaten in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Indem er gegen Zentralismus und großserbische Hegemonie auftrat, setzte er sich für einen föderalen Staatsaufbau Jugoslawiens ein. Er starb im Jahr 1928 an den Folgen des in der Belgrader Volksversammlung auf ihn verübten Attentats.
Die Banschaft Kroatien im Jahr 1939
Milan Šufflay (1879 – 1931) war Historiker. Er wurde wegen seiner Kritik am regierenden jugoslawischen Regime ermordet. Als Reaktion auf  dieses Attentat äußerten Albert Einstein und Heinrich Mann in einem offenen Brief ihren öffentlichen Protest und forderten die internationale Öffentlichkeit auf, das kroatische Volk vor dem jugoslawischen Regime zu schützen.

Nach dem im Jahr 1934 in Marseille verübten Attentat auf König Alexandar I. übernahm Fürst Pavle die Staatsführung. Auf seine Initiative wurde im Jahr 1939 ein Abkommen zwischen dem Repräsentanten der jugoslawischen Regierung, Dragiša Cvetković, und dem politischen Anführer des kroatischen Volkes, Vladko Maček, abgeschlossen. Durch dieses Abkommen wurde die Banschaft Kroatien (Banovina Hrvatska) als eine Einheit mit wesentlich höherem Autonomiegrad innerhalb des Königreiches Jugoslawien errichtet, allerdings nur bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges.

Der Zweite Weltkrieg (1941 – 1945)

Nach dem militärischen Zusammenbruch des Königreiches Jugoslawien unter dem Ansturm der Achsenmächte im April 1941 befand sich Kroatien samt Bosnien und Herzegowina im Rahmen des neu errichteten Unabhängigen Staates Kroatien (Nezavisna Država Hrvatska, kurz NDH), der unter dem deutschen und italienischen Patronat von der nationalistischen Ustascha-Gruppe unter Ante Pavelićs Führung proklamiert worden war. Bereits im Vorfeld dieser Ereignisse hatte Maček die Möglichkeit der Verkündung einer kroatischen Selbstständigkeit unter deutschem Patronat abgelehnt. Die übrigen Teile Jugoslawiens wurden entweder von den Achsenmächten annektiert, oder es wurden dort Quislingregimes errichtet.

Josip Broz Tito (1892 – 1980) war jugoslawischer Politiker und Staatsmann kroatischer Nationalität. Als Generalsekretär der Kommunistischen Partei war er während des Zweiten Weltkriegs Initiator und Organisator des antifaschistischen Aufstandes und Kampfes auf dem Territorium Jugoslawiens sowie Oberbefehlshaber der Armee. Nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu seinem Tode war er unbestrittener Staats- und Parteipräsident.
Der Aufstand in Villefranche-de-Rouergue. Diese Auflehnung in der französischen Stadt Villefranche-de-Rouergue wurde im September 1943 von den zwangsrekrutierten kroatischen und bosnischen Angehörigen der deutschen Militärdivision erhoben, mit dem Ziel sich der Französischen Widerstandsbewegung anzuschließen. Obwohl der Aufstand von den Nazis brutal niedergeschlagen worden war, wurde Villefranche-de-Rouergue von Radio London zur ersten, aus der Hand der nazistischen Besatzungskräfte befreiten Stadt in Westeuropa proklamiert. Zum Gedenken an diesen Aufstand befinden sich heute in dieser Stadt ein Gedenkpark und eine Straße, die den Namen Avenue des Croates trägt.
Jasenovac. Während des Zweiten Weltkrieges wurden von den Ustascha auf dem Territorium des damaligen NDH-Staates (NDH – Unabhängiger Staat Kroatien) Konzentrations- und Arbeitslager errichtet. Das größte Lager war Jasenovac, in dem, laut Opferliste mit namentlich aufgeführten Personen, 83.145 Gefangene ums Leben kamen. Die Mehrheit der Opfer waren Serben, gefolgt von Roma, Juden sowie von antifaschistisch gesinnten Kroaten. Zum Gedenken an alle Opfer wurde im Jahr 1996 ein Denkmal aufgestellt und eine Gedenkstätte  errichtet.

Neben den Ustascha, die auf Befehl der deutschen Nazis die Rassengesetze erließen und mit der Verfolgung von Serben, Juden und politisch Andersgesinnten begannen, waren auch die Tschetniks diejenigen, die mit den Besatzern eng zusammenarbeiteten. Die Tschetniks setzten sich aus serbischen paramilitärischen Einheiten und den Angehörigen der besiegten königlichen Streitkräfte zusammen. Die Tschetniks waren auch in einigen Teilen Kroatiens aktiv und ihr Ziel war es, auf den Ruinen des ehemaligen Jugoslawien ein Großserbien zu errichten, das, neben Serbien, ganz Bosnien und Herzegowina und die Hälfte Kroatiens umfassen sollte.

Die Partisaneneinheit aus Sisak war die allererste Militäreinheit der Volksbefreiungsarmee Kroatiens und eine der ersten organisierten antifaschistischen Militäreinheiten im besetzten Europa. Sie wurde am 22. Juni 1941 in der Nähe von Sisak gegründet. Die Angehörigen dieser Militäreinheit waren kroatischer Nationalität, was die Ausbreitung der Partisanenbewegung auch unter der serbischen Bevölkerung förderte. Einer der Mitglieder dieser Partisaneneinheit war auch Janko Bobetko, der spätere kroatische General und Vorgesetzter des Generalstabs der Kroatischen Streitkräfte im Heimatkrieg (1991 – 1995). Der Tag, an dem diese Partisaneneinheit gegründet wurde, wird heute in Kroatien als Tag des antifaschistischen Kampfes und als Erinnerung an den Beitrag zum Sieg der Alliierten und zur Freiheit Europas gefeiert.

Obwohl sich der NDH-Staat als Ausdruck jahrhundertelangen Strebens des kroatischen Volkes nach einem selbsständigen Staat darstellen wollte, schloss sich kurz nach seiner Gründung eine große Anzahl von Bürgern der Widerstandsbewegung und dem antifaschistischen Kampf unter der Führung der Kommunistischen Partei Jugoslawiens und Josip Broz Titos an. Sie waren enttäuscht von der deutsch-italienischen Besetzung, davon dass große Teile Dalmatiens an Italien abgetreten wurden, ferner vom Ustascha-Terror sowie von den Verbrechen der Tschetniks gegen Kroaten, bosnische Moslems und Partisanen. Bereits am 22. Juni 1941 wurde in der Nähe von Sisak die erste Partisaneneinheit formiert, und kurz danach wurden auch in den restlichen Teilen des Landes Partisaneneinheiten gegründet. Die kroatischen Partisanen gründeten ihren eigenen Generalstab Kroatiens unter dem Kommando von Andrija Hebrang.

Nachdem im Jahr 1941 die Partisanenbewegung in Serbien gescheitert war, verlagerte sich der Schwerpunkt des Widerstands nach Bosnien und Herzegowina und nach Kroatien. Dort wurden die Hauptkampfoperationen der Partisanen durchgeführt, wobei an diesen Operationen hauptsächlich Kämpfer aus dem Gebiet Kroatiens teilnahmen. So kam, zum Beispiel, mehr als die Hälfte der Partisanenkämpfer, die sich an den deutsch-italienischen Offensiven bzw. Schlachten an der Neretva und an der Sutjeska in Bosnien und Herzegowina im Jahr 1943 beteiligt hatten, aus Kroatien (unter den insgesamt 7.300 an der Sutjeska Gefallenen waren 4.246 aus Kroatien). Von 1943 an wurde die Widerstandsbewegung der Partisanen auch seitens der Hauptalliierten unterstützt, die bei dem von Tito angeführten Generalstab der Volksbefreiungsarmee ihre Militärmissionen errichteten. Nicht nur, dass sie starke deutsche Kräfte militärisch an sich banden und diese letztendlich besiegten, vielmehr leisteten kroatische und andere jugoslawische Partisanen ihren Beitrag zum antifaschistischen Kampf auch durch ihre kontinuierlichen Sabotagen auf Bahnstrecken, über die sich die Achsenmächte mit rumänischem Erdöl versorgten. Insgesamt wurden 1.800 Züge sabotiert, weswegen Hitler schon 1942 eine ganze Division aus 75.000 Soldaten zur Sicherung von Bahnstrecken mobilisierte, jedoch ohne nennenswerten Erfolg zu verbuchen.

„Auf zum Kampf für die Freiheit Kroatiens!“ Partisanenplakat. Schon gegen Ende 1942 gab es in Kroatien rund 25.000 Angehörige der Widerstandsbewegung, im Herbst 1943 waren es 100.000 und gegen Ende 1944 mehr als 150.000. Im Jahr 1943 waren von insgesamt 26 Partisanendivisionen unter dem Kommando des Hauptstabes 11 kroatische Divisionen, ferner 7 bosnisch-herzegowinische, 5 slowenische, 2 serbische Divisionen und 1 montenegrinische Division. Kroatien zählt zu den wenigen europäischen Ländern, die im Zweiten Weltkrieg ihre Freiheit mit eigenen Kräften erlangt haben, ohne die militärische Hilfe der Alliierten oder der Roten Armee (die sich an der Befreiung der Gebietsteile Serbiens beteiligte). Auf die Tatsache, dass die aktuelle Republik Kroatien der Nachfolgestaat dieses freien Kroatiens ist, das im Widerstand gegen die Achsenmächte entstanden ist, beruft sich auch die Präambel der heutigen kroatischen Verfassung.

Dank ihrer respektablen Stärke hielten die kroatischen Partisanen beträchtliche Gebietsteile der Heimat unter ihrer Kontrolle, so dass sie auf dem befreiten Territorium sogar die Organe der Staatsgewalt konstituierten. Auf den Versammlungen der Vertreter kroatischer Partisanen in Otočac und an den Plitvicer Seen wurde im Juni 1943 der Antifaschistische Landesrat der Volksbefreiung Kroatiens (ZAVNOH) gegründet, mit dem berühmten Dichter Vladimir Nazor an der Spitze, als das höchste politische Repräsentationsorgan der antifaschistischen Bewegung in Kroatien. Gleichsam als echte Kriegsregierung koordinierte dieses Organ die Militäroperationen der Partisanen und organisierte das Wirtschaftsleben auf den freien Territorien. Im Herbst 1943 wurde eine ähnliche Körperschaft auch im benachbarten Bosnien und Herzegowina gegründet (ZAVNOBiH). Die Repräsentanten dieser beiden Landesräte nahmen an der Wiederherstellung des jugoslawischen, als demokratische Föderation aufgebauten Staates teil, die auf der Zweiten Versammlung des Antifaschistischen Rates der Volksbefreiung Jugoslawiens (AVNOJ) am 29. November 1943 in Jajce stattfand. Die während dieser Versammlung gefassten Beschlüsse gelten als Akt der Gründung des föderativen Nachkriegsjugoslawiens. Auf  der Grundlage der Beschlüsse der II. AVNOJ-Versammlung konstituierten die ZAVNOH-Delegierten auf der im Mai 1944 in Topusko abgehaltenen III. ZAVNOH-Versammlung den Föderativen Staat Kroatien (Federalna Država Hrvatska), als einen von sechs föderalen jugoslawischen Staaten. Zugleich stellten sie die  Kontinuität des im Jahr 1918 abgeschafften Kroatischen Sabor wiederher.

Kroatien im Jahr 1943
Die Dritte  ZAVNOH-Versammlung 1944 in Topusko
An die Arbeit! Ein Plakat aus dem Jahr 1945.

Gegen Ende 1944, nachdem Belgrad befreit, die Tschetniks in Serbien geschlagen und die Überläufer aus den Quislingeinheiten amnestiert worden waren (bis zum 15. Januar 1945), breitete sich die Partisanenbewegung weiter aus, wurde aber unter Titos Führung zentralisiert und ideologisch hochgespielt, wobei ihre kroatische Komponente marginalisiert wurde. In einem solchen Kontext endete der Zweite Weltkrieg auf dem Gebiet Kroatiens mit dem militärischen Zusammenbruch des NDH-Staates, mit der Errichtung eines zentralisierten kommunistischen Regimes in Belgrad und der brutalen Abrechnung mit den besiegten Kräften, den der Kollaboration mit dem Ustascha-Regime verdächtigten Zivilisten sowie mit allen „Klassenfeinden“ und Andersdenkenden, aber auch mit den Angehörigen der deutschen und österreichischen Minderheiten. Unter diesen Gegebenheiten wurden in den ersten Wochen nach der Beendigung des Zweiten Weltkrieges mehrere zehntausend Menschen während des Blutbades in Bleiburg an der jugoslawisch-österreichischen Grenze wie auch während des „Kreuzwegs“ ermordet.

In der jugoslawischen Föderation (1945-1990)

In der Föderativen Volksrepublik Jugoslawien (ab 1963 Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien, kurz SFRJ) erhielt Kroatien seine heutigen Grenzen, aber seine Führung aus der Kriegszeit wurde zum Teil marginalisiert (Andrija Hebrang), während die bolschewistische Strömung, insbesondere nach dem Bruch zwischen Stalin und Tito, die Oberhand gewann.

Trotz des deklarierten föderalistischen Staatsaufbaus, der proklamierten Grundsätze über die Souveränität der Teilrepubliken und der Wahrung der nationalen Rechte, leugnete die kommunistische Führung systematisch jegliche kroatische staatsrechtliche Individualität ab. Dies führte gegen Ende der 1960er Jahre zum Kroatischen Frühling (Hrvatsko proljeće), einer Kultur- und Reformbewegung, an deren Führungsspitze sowohl die Mitglieder der Partei „Bund der Kommunisten Kroatiens“ als auch die Intellektuellen aus dem Bereich der Kultur und Wissenschaft standen, die um die Zagreber Universität und den Kulturverband Matica hrvatska versammelt waren. In dieser Reformbewegung wurden die Anerkennung und Wahrung der kroatischen Standardsprache, die Stärkung der Position der Teilrepubliken gegenüber der jugoslawischen Föderation, die Demokratisierung der Gesellschaft im Rahmen der Selbstverwaltung sowie die Einführung einzelner Formen der Marktwirtschaft eingefordert.

Die bedeutendsten politischen Anführer dieser Reformbewegung waren Savka Dabčević-Kučar (1923 – 2009) und Miko Tripalo (1926 – 1995). Neben ihnen waren da auch beachtliche, angesehene Persönlichkeiten wie Pero Pirker, Ivan Šibl, Dragutin Haramija, Intellektuelle wie Vlado Gotovac und Marko Veselica sowie die studentischen Anführer Dražen Budiša und Ivan Zvonimir Čičak. Nach 1971 wurden mehr als 2.000 Personen wegen der Beteiligung am Kroatischen Frühling zu Haftstrafen verurteilt und mehrere zehntausend Menschen entweder entlassen oder degradiert. Das Wirken des Kulturverbandes  Matica hrvatska wurde verboten, zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften wurden eingestellt. Es begann die Zeit des „kroatischen Schweigens“, die bis zum Jahr 1989 andauerte.

Goli otok (Kahle Insel) war die Bezeichnung für das jugoslawische Lager und Zuchthaus für politisch Andersdenkende (ab 1949) wie auch Straf- und Verbesserungsanstalt für Minderjährige (ab 1956) auf den Inseln Goli und Sveti Grgur. Im Jahr 1988 wurde diese Strafanstalt abgeschafft. Sie ist weiterhin ein Symbol für die Repression des kommunistischen Regimes gegenüber politisch Andersgesinnten.
Josip Broz Tito, Gamal Abder Nasser und Jawaharlal Nehru, die Gründer der Bewegung der Blockfreien Staaten, 1956 auf  Brijuni. Auf der Brijuni-Inselgruppe befand sich Titos beliebte Residenz, in der er zahlreiche Gäste empfang. Jugoslawien unterschied sich von den übrigen osteuropäischen Ländern nicht nur durch seine Rolle in der Blockfreienbewegung, sondern auch durch seine Politik offener Grenzen. Dadurch wurde zum einen die Entwicklung des Tourismus in Kroatien begünstigt und zum zweiten seinen Staatsbürgern die Bewegungs- und Reisefreiheit gewährt.
Der Kroatische Frühling, Kundgebung 1971 in Zagreb. Am Rednerpult steht Savka Dabčević-Kučar (1923 – 2009).

Obwohl der jugoslawische Präsident Josip Broz Tito im Jahr 1971 die Reformbewegung niedergeschlagen hatte und ihre Akteure politischen und gerichtlichen Verfolgungen ausgesetzt hatte, wurden durch die im Jahr 1974 verabschiedete Verfassung die jugoslawischen Teilrepubliken als Träger der Souveränität der einzelnen Nationen anerkannt. Den Teilrepubliken wurden zudem größere Rechte zugesprochen. Eine solche Politik Titos war Ausdruck des Bedürfnisses, das Gleichgewicht zwischen den föderalistischen Kräften (Kroatien, Slowenien) und zentralistischen Kräften in Belgrad aufrechtzuerhalten.

Nach Titos Tod äußerten die Parteiführungen einiger Teilrepubliken, vor allem diejenigen Serbiens und Montenegros, ihre Unzufriedenheit mit diesen Veränderungen und setzten sich offen für eine Umstrukturierung Jugoslawiens ein, zunächst für ein Jugoslawien auf unitaristischer und zentralistischer Basis, aber Anfang der 1990er Jahre auch auf großserbischer Basis. Solche Auffassungen stießen auf Widerstand in Kroatien und Slowenien, welche die Umstrukturierung Jugoslawiens auf konföderaler Basis forderten. Der Antagonismus zwischen diesen zwei unterschiedlichen Konzeptionen führte in der ersten Hälfte der 1990er Jahre zu einer offenen Aggression Serbiens, Montenegros und der föderalen Jugoslawischen Volksarmee (JNA) gegen Slowenien (1991), Kroatien (1991 – 1995) sowie Bosnien und Herzegowina (1992 – 1995).

Alpen-Adria. Noch als jugoslawische Teilrepublik gründete Kroatien 1978 gemeinsam mit Slowenien, den italienischen Regionen Friaul-Julisch Venetien und Veneto sowie mit den österreichischen Bundesländern  Kärnten, der Steiermark und Oberösterreich die Arbeitsgemeinschaft Alpen-Adria. Im Laufe der 1980er Jahre erweiterte sich allmählich die Anzahl ihrer Mitglieder. Basiert auf den Prinzipien eines gemeinsamen historischen Erbes und guter nachbarschaftlicher Beziehungen realisierte diese Organisation zahlreiche Projekte im Bereich der Wirtschaft, der Raumplanung, der Förderung von Minderheitenrechten und des Umweltschutzes.