Die paläolithische Fundstelle auf dem Hušnjak-Berg in Krapina zählt zu den größten und reichhaltigsten Fundstätten von Neandertalern weltweit. Während der zwischen 1899 und 1905 von dem Paläontologen und Geologen Dragutin Gorjanović-Kramberger geleiteten Ausgrabungen wurden auch zahlreiche Überreste von paläolithischen Artefakten und von Knochen ausgestorbener prähistorischer Tiere entdeckt. Das Alter der Funde aus Krapina wird auf ungefähr 130.000 Jahre geschätzt.

Geschichtlicher Überblick

Vorgeschichte

Die ältesten Spuren menschlicher Präsenz auf kroatischem Boden stammen aus dem Paläolithikum. In der Höhle Šandalji bei Pula und in Punikve bei Ivanec wurden steinerne, von den Prä-Neandertalern erzeugte Artefakte entdeckt, die Überreste der Neandertaler wurden auf dem Hušnjak-Berg in Krapina gefunden. Die archäologischen Funde aus dem Paläolithikum wurden auch auf anderen Lokalitäten in ganz Kroatien entdeckt (Vindija, Veternica, u.a.).

Paläolithische Fundstelle auf Berg Hušnjak während der Ausgrabungsuntersuchungen
Schädel eines Neandertalers (Schädel „C“), Kroatisches Naturwissenschaftliches Museum in Zagreb
Kugelförmiges Tongefäß, Danilo-Kultur, Archäologisches Museum Zadar

Kennzeichnend für das Neolithikum (ca. 6000 v. Chr. – ca. 3000 v. Chr.) sind die Errichtung von ständigen und organisierten Siedlungen sowie die Anfertigung von Tongefäßen und -statuetten. Die bedeutendsten neolithischen Kulturen, wie: Impresso-, Danilo- und Hvar-Kultur entstanden im adriatischen Raum; im Landesinneren existierten die Sopot- und Korenovo-Kultur. Die ausgiebigsten Fundstellen mit den meisten ausgegrabenen Fundstücken wurden u.a. in Smilčić bei Zadar, in Danilo bei Šibenik sowie in den Markova und Grapčeva Höhlen auf der Insel Hvar entdeckt.

Smilčić bei Zadar ist eine der reichhaltigsten neolithischen Fundstellen im Freien. Die Ansiedlung war von einem Verteidigungsgraben umgeben, als Behausungen dienten auf Erde erbaute Hütten aus Zweigengeflecht. Es konnten zwei Entwicklungsphasen dieser Siedlung festgelegt werden: die ältere Phase mit Funden der Impresso-Kultur und die jüngere, durch die Danilo-Kultur gekennzeichnete Entwicklungsphase. Unter den Fundstücken ragen keramische, reichlich verzierte Kultgefäße auf vier Beinen (Rhyta) heraus sowie verschiedenartige, mit bemalten oder eingeritzten Ornamenten verzierte Tongefäße.

Vučedol bei Vukovar ist eine sehr bedeutende prähistorische Fundstelle („Das Troia an der Donau“), nach der die Vučedol-Kultur benannt wurde. Sie umfasste den weitläufigen Kulturkomplex auf dem Gebiet von den Karpaten bis zu den Ostalpen und dem Gebirge Dinara. Es wird angenommen, dass diese Kultur parallel zu der Zuwanderung indoeuropäischer Ansiedler um 3000 v. Chr. entstand und bis ungefähr 2200 v. Chr. Bestand hatte. Kennzeichnend für diese Kultur sind neue metallurgische Verfahren und ausgesprochen gewandte Keramiker. Laut einiger Forscher bedienten sich die Angehörigen dieser Kultur eines auf den Tongefäßen aufgezeichneten Kalenders.

Die Übergangszeit von der Steinzeit zur Bronzezeit, das sogenannte Äneolithikum, in dem die Verarbeitung und der Gebrauch des ersten Metalls – des Kupfers – begann, war die Zeit der Vučedol-Kultur (ca. 3000 v. Chr. – ca. 2200 v. Chr.), die nach der Lokalität Vučedol am Donauufer bei Vukovar benannt wurde.

Bikonisches Gefäß, Vučedol-Kultur, Archäologisches Museum in Zagreb
Halskette aus Glaspaste, jüngere Eisenzeit, Archäologisches Museum in Zagreb
Histrischer Krug aus dem 9. – 8. Jahrhundert, Archäologisches Museum Istriens, Pula

In der Bronzezeit (ca. 2500 v. Chr. – ca. 800 v. Chr.), dem durch große ethnische Unruhen und Migrationen gekennzeichtenen Zeitalter, wurde die Entwicklung der Metallurgie und der Technologie zur Verarbeitung von Bronzegegenständen fortgesetzt. Dabei sind mehrere Kulturgruppen hervorzuheben (Gradine-Kultur in Istrien, Urnenfelderkultur in Nordkroatien, Cetina-Kultur in Dalmatien u.a.), die durch Symbiose zwischen vorausgehenden Kulturtraditionen und unterschiedlichen Einflüssen starker Nachbarkulturen entstanden.

Im Dorf Prozor bei Otočac wurden die Überreste einer Siedlung und einer Nekropole des illyrischen Stammes der Japoden aus dem 1. Jahrtausend v. Chr. entdeckt. Die Gegend wurde auch zur Zeit der Römer bewohnt. Die spezifisch geformten Ziergegenstände aus Bronze, wie Schmuck-Kopfbedeckungen (Hauben), Anhänger, Gürtelplatten, Spangen, Gewandnadeln u. a., stellen ein hohes Niveau im Kunsthandwerk unter Beweis. Der Einsatz von Bernstein und Glaspaste verlieh dabei den Schmuckstücken eine besondere Note.

Mit der systematischen Herstellung und dem Gebrauch von Gegenständen aus Eisen begann die Eisenzeit (um 800 v. Chr. bis Anfang des 1. Jahrhunderts). Während der Eisenzeit entstanden auf dem Gebiet des heutigen Kroatiens die ersten ethnischen Gemeinschaften, deren Namen sowohl von den griechischen als auch von den römischen Dichtern und Erzählern aufgezeichnet wurden. Sie gehörten den illyrischen Stämmen der Histrier, Japoden, Liburner, Delmaten,Ardiäer sowie anderen Stämmen an und standen unter starkem Einfluss griechischer und italischer Kulturen. Ab dem 4. Jh. v. Chr. wurden sie zusätzlich von der geistigen und materiellen Kultur der Kelten stark beeinflusst.

Nesactium (Vizače), nordöstlich von Pula, war im 1. Jahrtausend v. Chr. ein bedeutendes Zentrum illyrischer Histrier. Das Leben in Nesactium erhielt sich bis hin in die Spätantike bzw. bis zur frühchristlichen Ära. Aus Nesactium stammen die mit Figurenfriesen verzierten Situlen aus Bronzeblech, Fragmente von Schmückstücken, Waffen und Edelkeramik sowie Exemplare monumentaler freigelegter Steinskulpturen und Reliefplatten. Sie stellen die höchste Errungenschaft vorgeschichtlichen künstlerischen Schafftens auf kroatischem Boden dar.